Kärnten: Meteorologen rätseln über Wetter-Kuriosum

19. März 2006, 19:54
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Das Wetter benimmt sich derzeit so, wie es gar nicht dürfte - Tornado wirbelte Kleinbus durch die Luft

Am Samstag suchte ein Mini-Tornado das Kärntner Gurktal heim - die Meteorologen rätseln, warum. Für die neue Woche wird erst Erwärmung und gegen Ende schon wieder Schnee vorausgesagt.

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Klagenfurt/Berlin - Auch wenn ein Blick aus dem Fenster derzeit in weiten Teilen Österreichs auf schneeiges Weiß trifft (was wahrlich kein neuer Anblick ist), tut sich in diesen Tagen eines verzögerten Frühlingsbeginns wettermäßig gar Unerwartetes. Etwa im Kärntner Gurktal.

Auf dem Areal eines Busunternehmens in der Gemeinde Weitensfeld wütete dort am Samstagnachmittag ein Tornado - landläufig auch Windhose genannt. Die Hose hielt zwar nur wenige Sekunden an, doch sie war immerhin stark genug, um einen (zum Glück fahrgastlosen) neunsitzigen Ford-Transit-Bus einige Meter weit durch die Luft zu schleudern. Wo das Fahrzeug wieder Boden gewann, standen zwei Pkws: Sie wurden schwer, der Bus total demoliert, die Schadenshöhe ist noch unbekannt.

Augenzeugen des Wetterphänomens - das es laut Meteorologen um diese Jahreszeit überhaupt nicht geben dürfte - hatten den Tornado entlang des Flusses Glan nahen gesehen. Sie flüchteten ins Innere des Weitensfelder Bauhofes und sahen zu, wie der Miniwirbelsturm auch einen Stromzählerkasten aus der Verankerung riss.

Labile Luftschichtung

Jetzt rätseln die Experten, wie es zu der Winterwindhose kommen konnte. Es habe im Gurktal wohl eine labile Luftschichtung geherrscht, dann sei durch Schneeschauer aus höher liegenden Wolken starker Abwind entstanden, der sich an einer Bergkante gebrochen habe, vermutet etwa Paul Rainer von der Wetterdienststelle Klagenfurt.

Bekannt hingegen sind die Ursachen der alljährlich wiederkehrenden hohen Lawinengefahr um diese Jahreszeit, die regelmäßig zu Verkehrsproblemen führt. Fünfzig Kilometer lang war am Samstag der Stau auf der Pinzgauer Straße (B 311) in Richtung Deutsches Eck in Salzburg, nachdem die Loferer Straße (B 178) wegen drohender Schneebrettabgänge hatte gesperrt werden müssen.

Gegen Baum gedrückt

Weiter oben auf den Bergen kam es zu Lawinenunfällen abseits gesicherter Skipisten - am Sonntag etwa im Tiroler Kühtai, nachdem ein Skifahrer auf einem Hang ein Schneebrett ausgelöst hatte. Dieses riss den 21-Jährigen mit, sein Freund wurde gegen einen Baumstamm gedrückt, beide Männer erlitten Verletzungen unbestimmten Grades. Auch in Lech (Vorarlberg) und auf der Tauplitz (Steiermark) gingen Lawinenunfälle für vier Hobbysportler mit nur leichten Verletzungen aus.

Bisher ausgeblieben ist der Frühling auch in Italien. Kalt und stellenweise weiß präsentierte sich am Sonntag die Lagunenstadt Venedig - und selbst im südlichen Kalabrien schneite es in höheren Lagen. In Deutschland, wo vor allem im Norden noch tiefer Winter herrscht, machte die Bürgermeisterin der südthüringischen Kleinstadt Steinach, Maria Greiner, aus der Not eine Tugend. Sie versteigert Lkw-Ladungen voll Schnee im Internet - das Geld soll der Krebshilfe zugute kommen. Das Höchstgebot lag am Sonntag bei 337 Euro. (APA, bri, DER STANDARD Printausgabe 13.3.2006)

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    Der Kleinbus wurde von Mini-Tornado mehrere Meter mitgerissen und gegen zwei Autos geschleudert

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