Milosevics Macht überdauerte drei Kriege

21. März 2006, 20:01

Wichtige Daten im Leben des Ex-Präsidenten

Belgrad - Der Aufstieg des jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic begann Mitte de 80er Jahre. Er setzte auf die Karte des serbischen Nationalismus. Seine Macht überdauerte drei Kriege auf dem Balkan. Später wurde er vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt. Am Samstag wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden. Nachfolgend eine Chronologie der wichtigsten Stationen seines Lebens:
  • 1941: Slobodan Milosevic wird am 20. August als Sohn eines orthodoxen Religionslehrers und einer kommunistischen Lehrerin in Pozarevac im Osten Serbiens geboren. Beide Elternteile sind aus Montenegro zugewandert. Der Vater begeht in den 50er Jahren, die Mutter in den 70er Jahren Selbstmord.

  • 1959: Milosevic wird Mitglied der Kommunistischen Partei Jugoslawiens.

  • 1964: Juristisches Examen an der Belgrader Universität. Milosevic strebt eine Karriere in der Partei und als Geschäftsführer einer Handelsgesellschaft an. Später wird er Präsident der staatlichen Bank Beobanka.

  • 1986: Milosevic wird Chef der Kommunistischen Partei Serbiens und übernimmt im Folgejahr die volle Kontrolle.

  • 1989: Mit seiner Rede auf dem Amselfeld im Kosovo, in der er der serbischen Minderheit Schutz verspricht, erlangt Milosevic große Popularität. Noch im selben Jahr wird er serbischer Präsident. In diesem Amt schränkt er die Autonomie der zu Serbien gehörenden Provinzen Vojvodina und Kosovo stark ein.

  • 1991: Milosevic setzt in Belgrad Soldaten ein, um Proteste gegen seine Politik zu unterbinden. Slowenien und Kroatien erklären Ende Juni ihre Unabhängigkeit. In Slowenien kommt es zu kurzen Kampfhandlungen, in Kroatien zu einem halbjährigen Krieg mit rund 10.000 Toten. Auch die Republik Mazedonien erklärt im Jänner ihre Unabhängigkeit.

  • 1992: Der Krieg in Bosnien-Herzegowina beginnt. Milosevic bewaffnet und unterstützt die bosnischen Serben zunächst. Die UNO verhängt Sanktionen gegen das noch aus Serbien und Montenegro bestehende Jugoslawien.

  • 1994: Milosevic stellt die Unterstützung für die bosnischen Serben ein.

  • 1995: Das Friedensabkommen von Dayton beendet den blutigsten Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Von internationalen Medien und auch Politikern wird er als "Friedensmacher" gefeiert.

  • 1996: Milosevics Sozialisten verlieren die Kommunalwahl in serbischen Großstädten. Die Ergebnisse werden annulliert. Monatelang mobilisiert die Opposition Demonstrationen gegen die Regierung.

  • 1997: Milosevic erkennt die Niederlage seiner Partei an. Belgrad bekommt mit Zoran Djindjic den ersten nicht-kommunistischen Bürgermeister seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit taktischem Geschick spielt Milosevic seine wichtigsten Gegner in der Oppositionsbewegung gegeneinander aus. Unangefochten wird er jugoslawischer Staatspräsident - eine weitere Amtszeit als serbischer Präsident ließ die Verfassung nicht zu.

  • 1998: Jugoslawische und serbische Sicherheitskräfte starten eine Offensive gegen bewaffnete albanische Rebellen im Kosovo. Die internationalen Proteste dagegen werden in Belgrad ignoriert.

  • 1999: Die NATO beginnt mit Luftangriffen gegen Jugoslawien, um Milosevic zu einem Abkommen zu zwingen. Nach 78-tägigem Bombardement stimmt Milosevic dem Rückzug seiner Truppen und der Stationierung der internationalen Schutztruppe KFOR im Kosovo zu.

  • 2000: Mit einer Verfassungsänderung will sich Milosevic eine zweite Amtszeit als Staatspräsident sichern. Die Wahl am 22. September verliert er, erkennt seine Niederlage gegen Vojislav Kostunica aber nicht an. Am 5. Oktober demonstrieren Hunderttausende gegen ihn, das Parlamentsgebäude wird gestürmt und in Brand gesteckt. Milosevic gibt auf, Kostunica wird am 7. Oktober als neuer Staatspräsident vereidigt.

  • 2001: Milosevic steht in seiner Belgrader Villa unter Polizeiüberwachung. Am 1. April stellt er sich nach 26-stündiger Belagerung den Behörden und wird wegen Machtmissbrauchs- und Korruptionsvorwürfen verhaftet. Das jugoslawische Kabinett beschließt am 23. Juni ein Dekret, das den Weg für die Auslieferung des ehemaligen Staatschefs an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ebnet. Milosevic klagt dagegen vor dem Verfassungsgericht in Belgrad. Das Gericht setzt das Dekret am 28. Juni aus. Ungeachtet des Urteils wird er am selben Tag nach Den Haag überstellt. Hauptverantwortlich dafür ist der serbische Premier Djindjic. Milosevic bezeichnet das Tribunal wiederholt als nicht rechtmäßig und verteidigt sich selbst.

  • 2002: Am 12. Februar beginnt in Den Haag der Prozess gegen Milosevic. Ihm werden Kriegsverbrechen in 66 Fällen vorgeworfen, darunter Gräueltaten in Kroatien, Bosnien und Kosovo. Der Angeklagte leidet unter Bluthochdruck und Herzbeschwerden. Das Verfahren wird daher in den folgenden Monaten und Jahren mehrfach unterbrochen.

  • 2006: Noch vor dem heuer geplantem Urteilsspruch stirbt Milosevic am 11. März in seiner Zelle im UNO-Gefängnis im niederländischen Scheveningen.
(APA)
Share if you care.