In Italiens Bankenszene kommt Bewegung

30. März 2006, 15:44
posten

Branchenprimus Banca Intesa interessiert sich für Banca Capitalia, die Nummer vier in Italien

Nach dem Rücktritt von Zentralbankchef Antonio Fazio kommt Bewegung in Italiens Bankenszene. Übernahmefantasien bescheren Bankwerten derzeit eine Kurshausse. Branchenprimus Banca Intesa interessiert sich für Banca Capitalia, die Nummer vier in Italien. Das hat Intesa-Präsident Giovanni Bazoli zugegeben.

Banca Capitalia will sich Intesa freilich nicht kampflos übergeben und kaufte für rund 600 Millionen Euro zwei Prozent Intesa-Aktien. Der Verwaltungsrat der italienischen Bank habe entschieden, den Anteil zu behalten, bis die Marktspekulationen um Capitalia enden, sagte ein Banksprecher am Wochenende.

Mögliche Fusion

In Mailänder Finanzkreisen interpretiert man den Schritt dahingehend, dass es nicht zu einer Übernahme durch Intesa, sondern eher zu einer Fusion kommen dürfte: Entstehen würde ein Koloss mit einer Börsenkapitalisierung von 48 Mrd. Euro, 5500 Zweigstellen und 85.000 Beschäftigten.

Das kommt Intesa aus mehreren Gründen gelegen: Banca Capitalia ist in Süditalien (Banco Sicilia) stärker aufgestellt als Intesa, die auf Nord-und Mittelitalien fokussiert ist. Außerdem ist Banca Capitalia mit knapp neun Prozent größter Aktionär der Investmentbank Mediobanca, die ihrerseits 14 Prozent am Versicherer Generali hält. Intesa und Generali wiederum wollen ihre "Kooperation" verstärken. Generali-Chef Sergio Perissinotto will den Intesa-Anteil dem Vernehmen nach auf neun Prozent erhöhen.

Anteil aufstocken

Die Turiner Großbank Sanpaolo Imi wiederum will ihren Anteil an der Sparkasse von Florenz aufstocken und wirft gleichzeitig ein Auge auf Italiens älteste Bank, Monte dei Paschi di Siena.

BNP Paribas hat sich inzwischen die Mehrheitsbeteiligung an Italiens sechstgrößter Bank, Banca Nazionale del Lavoro, gesichert. Und der niederländischen ABN Amro ist überhaupt eine "Auslands-Premiere" gelungen: Sie hat eine italienische Bank komplett übernommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2006)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
Share if you care.