"Egal, ob Mirjana oder Heidi"

12. März 2006, 18:36
6 Postings

Personalmanagerin Mirjana Benic wurde von Boris Nemsic persönlich zur Mobilkom Austria geholt - Sie ist "von Österreich überrascht"

Boris Nemsic, Mobilkom-Boss und ab Mai Konzernherr der Telekom Austria, ist in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens in Geschäftskreisen ein Star. Den man einfach kennt. Auch Mirjana Benic, damals Personalmanagerin bei Hrvatski Telecom, kannte ihn. Nemsic fragte sie vor mehr als zwei Jahren persönlich, ob sie nach Wien kommen wolle - als "Schlüsselkraft", für die Integration der Konzernaktivitäten in Südosteuropa. Dazu erzählt die Juristin dem STANDARD: "Vor meinem Job-Interview mit Boris musste ich warten, bis ein Meeting zu Ende war. Aus dem Raum hörte ich lautes Lachen, um sieben Uhr am Abend! Wo gibt es so etwas, dass am Abend Meetings noch Spaß machen?! Ich habe mir gedacht: Ich bin an Bord! Das Gehalt war zweitrangiges Thema."

Reisen bildet

Österreich habe sie schon gekannt. Ihre Eltern standen auf dem Standpunkt, dass Reisen bildet; Graz, Wien und diverse Skigebiete waren der "urbanen Kroatin" (Eigendefinition) bekannt. Dennoch hat sich ihr Österreich-Bild geändert: "Die Kroaten haben Vorurteile gegenüber Österreichern. Sie glauben, dass sie alle zu steif und zu ernst sind. Sie halten sich selbst für viel energetischer und leidenschaftlicher." Dann die Überraschung: "Die Wiener sind leichter zu verdauen, als ich erwartet hatte. Ich bin ihnen vielleicht auch manchmal zu laut und zu impulsiv. Bei uns gibt es aber ein Sprichwort: Der Wolf wechselt zwar sein Fell, aber nicht sein Naturell.

Apropos "verdauen": "Ich war den ersten Monat in Wien. Die Kollegen haben mich zum Essen ausgeführt, damit ich die Wiener Küche kennen lerne: Tafelspitz und Marillenknödel. Ich habe gesagt: Das ist ja die Küche meiner Großmutter! Bei uns heißen sie nur anders: ,kuhana govedina' und ,knedle sa marelicom'."

Schlüsselkräftetransfer

Bei der Mobilkom organisieren eigene "Mobility Manager" den Transfer von Schlüsselkräften zwischen Wien, Sofia, Zagreb und Ljubljana - von der Bürokratie bis hin zur Wohnungssuche und Übersetzung des Kreditkarten-Vertrages in die Muttersprache. Benic: "Es gibt immer einen Transfer von Managern in beide Richtungen. Beispiel Mobiltel: Der erste Schritt der Integration war, dass bulgarische Manager in Wien für die Gruppe zu arbeiten begon- nen haben." Die Firmenkultur sei grundsätzlich "open-minded", nicht zuletzt wegen der handelnden Personen an der Spitze: "Es gibt bei uns keine Unterschiede, egal ob mein Name nun Mirjana oder Heidi ist. Das ist ein Vorteil im Vergleich zu anderen internationalen Telekommunikationsunternehmen." Was zähle, seien am Ende "Resultate". (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.3.2006)

  • Mirjana Benic: "Lachen in Meetings? Bin an Bord!"
    foto: mobilkom

    Mirjana Benic: "Lachen in Meetings? Bin an Bord!"

Share if you care.