Berlusconi verließ TV-Interview

13. März 2006, 17:03
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Streit zwischen Ministerpräsidenten und Starjournalistin Lucia Annunziata: Moderatorin sei "gewalttätig", da sie ihn mehrmals unterbrochen habe

Rom - Der Wahlkampf in Italien nimmt immer schärfere Töne an. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi betonte am Sonntag, er befürchte Manipulationen bei den Parlamentswahlen am 9. und 10. April. "Ich befürchte Wahlbetrügereien, weil sie zur Geschichte der Linken gehören. Bei den Parlamentswahlen 1996 hatte jemand damit geprahlt, dass meine Partei (die konservative Forza Italia, Anm.) 1,6 Millionen Stimmen dank der Manipulation von Wahlzetteln verloren hatte", betonte Berlusconi.

Der Ministerpräsident meinte, es sei notwendig "ehrliche Leute" als Beobachter in die Wahllokale zu entsenden, die den korrekten Verlauf des Urnengangs überprüfen sollen. Berlusconi sagte dies bei der Aufzeichnung des von RAI 1 gesendeten Programms "In mezz'ora".

Berlusconi: Moderatorin ist "gewalttätige Person"

Bei der Aufnahme des Programms kam es zu einem heftigen Streit zwischen Berlusconi und der Moderatorin, der Starjournalistin Lucia Annunziata. Nachdem die Journalistin den Regierungschef öfters unterbrochen hatte, beschuldigte Berlusconi Annunziata, eine "gewalttätige Person" zu sein. "Sie erlauben mir nicht, das zu sagen, was ich will. Sie müssen mich die Fragen beantworten lassen, ansonsten verlasse ich das Fernsehstudio" drohte Berlusconi.

Annunziata: Berlusconi könne sich nicht benehmen

Annunziata beschuldigte den Premierminister, sich vor der Presse nicht benehmen zu können, und verlangte eine Entschuldigung. Daraufhin verließ ein sichtbar verärgerter Berlusconi das TV-Studio.

Opposition spürt Rückenwind

Die Opposition spürt indessen Rückenwind: "Berlusconi verliert die Nerven, er ist sichtbar nervös. Er weiß, dass ihm bei den Parlamentswahlen eine Niederlage bevorsteht", kommentierte der Chef der oppositionellen Linksdemokraten, Piero Fassino. "Sobald ein Journalist Berlusconi in Bedrängnis bringt, flüchtet er", kritisierte der Parlamentarier der oppositionellen Linksdemokraten, Beppe Giulietti, den Premier.

Spannung vor TV-Duell am

In Umfragen zu den Parlamentswahlen am 9. und 10. April liegt Berlusconis Bündnis 3,5 Prozentpunkte hinter der Mitte-links-Allianz seines Kontrahenten Romano Prodi. Der italienische Oppositionschef steht vor einem mit Spannung erwarteten TV-Duell mit dem Regierungschef. Die erste TV-Debatte nach amerikanischem Muster wird am Dienstagabend im staatlichen RAI- Fernsehen geführt. Moderator ist der Chefredakteur der Tagesschau TG1, Clemente Mimun. Eine weitere Runde ist für den 3. April geplant, neun Tage vor dem Wahlgang. Der Oppositionsparlamentarier Pino Pisicchio warnte vor einer "Übererregung" der Medien, die den Wahlkampf verzerre. "Es geht nicht mehr um die Wahlprogramme, sondern nur noch um die Schlacht zwischen Berlusconi und Prodi", kritisierte der Parlamentarier.

Rekord-Einschaltquote

Der Wutausbruch Berlusconis bescherte der staatlichen RAI eine Rekord-Einschaltquote: 3,6 Millionen Italiener sahen am Sonntagnachmittag die Auseinandersetzung zwischen dem Regierungschef und der Starjournalistin. Dies entspricht einer Einschaltquote von 23 Prozent, doppelt so hoch als für dieses Programm üblich.

Noch in der vergangenen Woche hatte Prodi ein Rede-Duell abgelehnt, weil es keine Garantie gäbe, dass die Diskussion fair verlaufe. Ein parlamentarisches Aufsichtsgremium, das mehrheitlich von der Regierungskoalition kontrolliert ist, hat die Regeln, nach denen das TV-Duell ablaufen soll, streng definiert: Zwei Journalisten, der Chefredakteur der römischen Tageszeitung "Il Messaggero", Roberto Napoletano, und der Kommentator der Turiner Tageszeitung "La Stampa" dürfen insgesamt acht Fragen stellen, die nicht länger als 30 Sekunden dauern. Dieselbe Frage wird an beide Politiker gerichtet, eine Auslosung bestimmt, welcher Kandidat zuerst auf die Frage antworten kann. Die Antworten dürfen maximal zweieinhalb Minuten lang sein. Danach haben sie noch zweieinhalb Minuten Zeit für einen Appell an die Wähler.

Keine Zuschauer zugelassen

Die Debatte soll sich schlicht auf das Wahlprogramm der beiden Bündnisse konzentrieren. Zuschauer werden im Studio nicht zugelassen. Die beiden Politiker sollen sich gegenüber sitzen, der Moderator in der Mitte des Studios stehen. Auch die Regie soll bei der Aufnahme keinen Kandidaten bevorzugen: Verboten sind Aufnahmen des Politikers, der gerade nicht am Wort ist. (APA)

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    Zwei, die sich im TV nicht vertrugen: Silvio Berlusconi und Lucia Annunziata

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