Milosevic-Verteidiger Verges spricht von "Mördertribunal"

13. März 2006, 18:48

"Medizinische Freiheit verwehrt"

Paris - Der französische Starverteidiger von Slobodan Milosevic, Jacques Vergès, hat das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag als "Mördertribunal" bezeichnet. Man habe ein Interesse am Verschwinden von Milosevic gehabt, weil es nicht gelungen sei, die Anklagen gegen ihn zu rechtfertigen. "Wenn die serbische Regierung morgen Serben nach Den Haag ausliefert, trägt sie die Verantwortung für ihre Ermordung", sagte Vergès am Sonntag dem Rundfunksender Europe-1.

Das Tribunal habe dem seit Jahren kranken Milosevic "die medizinische Freiheit" verwehrt und "alles getan, damit sein Zustand sich verschlimmert", sagte Vergès. Milosevic habe nicht einmal spazieren gehen dürfen. "Ihm wurde jede körperliche Tätigkeit verwehrt." Milosevic habe "zu recht diesem Tribunal misstraut", das regelwidrig vom UNO-Sicherheitsrat geschaffen worden sei und 22 Mal das Vorgehen geändert habe.

Der Prozess habe nicht das von der Anklage gewünschte Ergebnis gebracht, sagte Vergès. So sei Milosevic vom französischen General Philippe Morillon im Falle des Blutbads von Srebrenica entlastet worden. Serbische Kriegsverbrecher müssten in Serbien vor Gericht gestellt werden, sagte Vergès. (APA/dpa)

Share if you care.