Teheran betrachtet Verhandlungen mit Russland als gescheitert

14. März 2006, 18:46
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Außenminister droht erneut mit Ausstieg aus Atomwaffensperrvertrag - Sprecher: Wir werden uns "niemals" dem Druck der UNO beugen

Teheran - Der Iran betrachtet die Verhandlungen über ein russisches Kompromissangebot im Streit über sein Atomprogramm offenbar als gescheitert. "Das russische Angebot steht nicht mehr auf unserem Programm", sagte am Sonntag der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid Reza Assefi. Nach der Überweisung des Atomstreits an den UNO-Sicherheitsrat stehe der Iran vor veränderten Bedingungen. "Wir müssen abwarten und sehen, wie die Entwicklungen unter den fünf Vetomächten sich entfalten", sagte Assefi.

In der kommenden Woche beraten die 15 Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats erstmals über weitere Schritte, um die Führung in Teheran zum Verzicht auf die umstrittene Urananreicherung zu bewegen. Manouchehr Mottakis Sprecher Assefi bekräftigte aber am Sonntag, sein Land werde sich "niemals" dem Druck der UNO beugen.

Erneut mit IAEO-Ausstieg gedroht

Außenminister Mottaki selbst drohte erneut mit dem Ausstieg aus dem Atomwaffensperrvertrag, sollte dem Iran das Recht auf Nutzung der Atomenergie verwehrt werden. In diesem Fall müsse seine Regierung ihre bisherige Politik überdenken, sagte er am Sonntag in Teheran am Rande einer Konferenz über Energie und Sicherheit in Asien. Zurzeit gebe es aber noch Aussichten auf eine Lösung des Atomkonflikts auf dem Verhandlungsweg, fügte er hinzu.

In seiner Eröffnungsrede vor den Konferenzteilnehmern hatte Mottaki zuvor Drohungen des iranischen Innenministers Mostafa Pur-Mahammadi zurückgewiesen, der Iran könne sein Öl als Waffe im Atomstreit einsetzen. Sein Land wolle ein zuverlässiger Öllieferant für Asien bleiben und sei darüber hinaus entschlossen, mit seinem Öl keine Außenpolitik zu betreiben, sagte Mottaki. In den vergangenen Tagen hatten iranische Regierungsvertreter dagegen immer wieder mit der Ölwaffe gedroht, darunter am Samstag auch der Innenminister.

Auf die Frage, ob der Iran die umstrittene Urananreicherung ausweiten werde, sagte Assefi: "Was die Urananreicherung in industriellem Ausmaß angeht, werden wir zwei, drei Tage warten." Moskau hatte Teheran angeboten, Uran für das iranische Atomprogramm auf russischem Territorium anzureichern. Der Iran weigerte sich jedoch, vollständig auf eine Urananreicherung im eigenen Land zu verzichten. Dies hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) gefordert, weil angereichertes Uran auch zur Herstellung von Atomwaffen dienen kann. (APA/AP)

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