Streit nach Krawallen zwischen Autonomen und Polizei in Mailand

21. März 2006, 16:21
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Etwa 300 Linksaktivisten lieferten sich Straßenschlachten mit Polizei - Berlusconi wirft Opposition vor, Protesten geschürt zu haben

Rom - In Italien ist eine heftige Diskussion um die Straßenschlacht entbrannt, die sich am Samstag Hunderte von Anhängern autonomer Gruppen in Mailand mit der Polizei geliefert haben. Die bis zu 500 linken Demonstranten gingen mit Metallstangen, Steinen und Molotowcocktails auf die Sicherheitskräfte los, die eine genehmigte Kundgebung der Neofaschisten schützten. Mehrere Beamte mussten nach Polizeiangaben behandelt werden, einer sei ins Krankenhaus gebracht worden. Ein Polizeiwagen ging in Flammen auf, mehrere andere Autos und Geschäfte wurden demoliert. Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi beschuldigte die Opposition, die Krawalle geschürt zu haben.

"In der Opposition herrscht totales Chaos: Aus den Reihen der demokratischen Gruppen haben 350 Leute mit Gewalt versucht, ein zivilisiertes Treffen unserer Verbündeten zu sprengen", sagte Berlusconi bei einem Wahlkampfauftritt auf Sizilien. Kammerpräsident Pier Ferdinando Casini attackierte die altkommunistische Rifondazione, die in ihren Wahllisten mehrere Globalisierungsgegner aufgestellt hat. Zu ihnen zählt der Chef der No Global-Aktivisten, Francesco Caruso.

Prodi verurteilt Krawalle

Die Opposition erwiderte verärgert, Berlusconi instrumentalisiere die Krawalle in Mailand aus Wahlgründen. Oppositionschef Romano Prodi verurteilte die Ausschreitungen. "Wir verurteilen die Krawalle, die nichts mit unserem Begriff von Demokratie zu tun haben", sagte Prodi.

Die guerillaartigen Szenen in der Mailänder Innenstadt schockten auch die Öffentlichkeit. 40 Globalisierungsgegner wurden nach Angaben der Polizei festgenommen. Verhaftet wurden mehrere Anarchisten und Linksradikale, die sich an den Ausschreitungen beim G-8-Gipfel in Genua im Juli 2001 beteiligt hatten. Zu den vermummten Black Blocks zählten auch mehrere deutsche Jugendliche, berichtete das Staatsfernsehen RAI.

Schwersten Straßenschlachten seit G-8-Treffen in Genua

Rund 300 linksgerichtete Globalisierungsgegner steckten Autos in Brand und legten Feuer an einem Gebäude in einer der Einkaufsstraßen der Stadt. Sie wollten damit ihrem Zorn wegen einer Wahlkampfkundgebung von Neofaschisten Luft machen, die am Samstag geplant war. Die rechte Gruppe "Fiamma Tricolore" tritt als Verbündete von Berlusconis Mitte-Rechts-Lager bei den Parlamentswahlen am 9. und 10. April an. Die Krawalle waren die schwersten Straßenschlachten in Italien seit dem G-8-Treffen in Genua. Damals war ein Globalisierungsgegner bei Straßenprotesten getötet worden.

Der Mailänder Kommunalpolitiker Riccardo De Corato zeigte sich schockiert vom Ausmaß der Zerstörung durch die Randalierer: "Sie haben einen friedlichen Samstag in eine Kriegszone verwandelt." Einige aufgebrachte Ladenbesitzer trieben einige der Demonstranten in die Enge und prügelten auf sie ein, bevor die Polizei eintraf.

Berlusconis Bündnis liegt in Umfragen 3,5 Prozentpunkte hinter der Mitte-Links-Allianz Prodis. Am Dienstag werden die beiden Kontrahenten in einem Fernsehduell aufeinander treffen. Das Staatsfernsehen RAI bestätigte am Samstag, dass Prodi zugestimmt habe. Ein zweites Duell soll am 3. April folgen. (APA)

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    Aufräumarbeiten nach Zusammenstößen zwischen Polizei und DemonstrantInnen in Mailand.

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