Tribunal besteht auf Obduktion in den Niederlanden

12. März 2006, 09:41

Sprecherin: "Milosevic war schwer krank" - Rechtsberater Milosevics forderte wegen Vergiftungsverdacht Untersuchung in Russland

Belgrad/Den Haag - Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien und die niederländischen Behörden haben einen Antrag von Zdenko Tomanovic, dem Rechtsberater des verstorbenen ex-jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, die Obduktion in Moskau durchführen zu lassen, zurückgewiesen. Er habe im Namen den Familie einen neuen Antrag gestellt, der darauf abziele, die Präsenz von russischen Gerichtsmedizinern bei der Obduktion in Den Haag zuzulassen, sagte Tomanovic.

Obduktion am Sonntag

Der Leichnam soll noch am Sonntag im Gerichtsmedizinischen Institut von Den Haag untersucht werden. Das berichtete am Samstagabend das niederländische Fernsehen. Auch ein serbischer Mediziner werde als Vertreter der Regierung in Belgrad bei der Feststellung der Todesursache anwesend sein. Die Sprecherin der UNO-Chefanklägerin, Florence Hartmann, wies unterdessen am Abend die Spekulationen über eine eventuelle Vergiftung des ex-jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic als "völlig absurd" zurück.

Ex-Präsident war schwer krank

Gegenüber dem serbischen staatlichen TV-Sender sagte Hartmann, dass Milosevic schwer krank gewesen sei und dass alle Einzelheiten über seinen Krankheitszustand der Öffentlichkeit nie veröffentlicht worden seien. Das Tribunal wollte seine Privatsphäre schützen.

Furcht vor Vergiftung

Tomanovic hatte zuvor erklärt, dass ihn Milosevic am Freitagnachmittag über seine Befürchtungen informiert habe, dass man ihn im Tribunalsgefängnis zu vergiften versuche. Dem Gespräch mit Milosevic, das gegen 17.00 Uhr stattgefunden hatte, wohnte Tomanovic zufolge noch eine Person bei. Tomanovic hatte Milosevic bei der Vorbereitung seiner Verteidigung geholfen. Der Anwalt erklärte, dass er am Freitag die russischen Behörden über die Behauptungen von Milosevic informiert habe.

Der Leichnam von Milosevic ist den Medienberichten zufolge am Abend von den niederländischen Behörden übernommen worden. Der serbisch-montenegrinische Minderheiten- und Menschenrechtsminister Rasim Ljajic bestätigte indes, dass am Sonntag nach Den Haag zwei serbische Gerichtsmediziner abreisen würden.

Beerdigung in Belgrad?

Die serbischen Behörden haben unterdessen noch nicht auf die Forderung der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) reagiert, den heute verstorbenen ex-jugoslawischen Präsidenten in Belgrad zu begraben. Es gehe um eine empfindliche Frage. Ihre Lösung werde von einer Einigung zwischen dem Regierungschef und dem Präsidenten Serbiens, Vojislav Kostunica und Boris Tadic, abhängen, erklärte die Vize-Bürgermeisterin Belgrads, Radmila Hrustanovic, am Abend.

Sozialisten fordern Staatsbegräbnis

Die Sozialisten haben ein Staatsbegräbnis für Milosevic verlangt. Er soll nach ihrem Vorstellungen in der "Allee der Großen" beerdigt werden, wo auch der ermordete serbische Regierungschef Zoran Djindjic ruht. Der Ultranationalist Tomislav Nikolic hat indessen die Justizbehörden aufgefordert, den für die Frau von Milosevic, Mira Markovic ausgestellten Haftbefehl außer Kraft zu setzen. Das würde ihr ermöglichen, einem eventuellen Begräbnis in Belgrad beizuwohnen. Die Ideologin der neokommunistischen JUL-Partei wurde 2003 des Amtsmissbrauches angeklagt. Sie verließ das Land kurz bevor ihre Abgeordnetenimmunität im Februar 2003 abgelaufen war. Seitdem lebt Mira Markovic in Moskau. (APA)

Share if you care.