Deutsche Kliniken für Pandemiefall nicht gerüstet

12. März 2006, 19:53
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Kritik an bisheriger Vorbereitung

Berlin - Die deutschen Krankenhäuser sind nach Ansicht der Ärzteschaft für eine weltweite Grippe-Epidemie nicht ausreichend gerüstet. "Im Falle einer Pandemie - etwa in der Dimension der Spanischen Grippe von 1918 - werden die Versorgungskapazitäten nicht ausreichen", sagte Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, Christoph Fuchs, am Samstag in Berlin.

Er verwies auf den von deutschen Ärzteverbänden vielfach kritisierten Medizinermangel in den Kliniken. "Da haben wir keine Reserven mehr", sagte er. Im Falle einer Pandemie würden die Krankenhäuser rasch überbeansprucht sein und Beatmungsplätze knapp werden. Die mangelnden Ressourcen beruhten vor allem auf Fehleinschätzungen der Vergangenheit.

Akuter Ärztemangel

Auch der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, sieht auf Deutschland für den Fall einer weltumspannenden Grippe-Epidemie große Schwierigkeiten zukommen. Besorgnis erregend sei der jetzt schon akute Ärztemangel. Wegen schlechter Arbeitsbedingungen flüchteten immer mehr Mediziner ins Ausland, wo außerdem oft besser bezahlt werde.

Ärztekammer-Geschäftsführer Fuchs regte an, die bis in die 80er Jahre hinein regelmäßigen Katastrophenschutzübungen in Deutschland neu zu beleben. Auch habe es zu früheren Zeiten mobile Versorgungslazarette für Notsituationen gegeben, die eingemottet worden seien. "Die Vorbereitungen auf Katastrophen in Deutschland wurden aus fiskalischen Gründen zurückgefahren", kritisierte Fuchs. Für den Ernstfall könne aber nicht nur am Reißbrett geplant werden.

Montgomery sagte, im Falle einer Grippepandemie lasse sich nicht vermeiden, dass sich auch Ärzte und Pflegekräfte ansteckten. "Damit würden sich die Versorgungsschwierigkeiten potenzieren", warnte er. Dennoch bestehe kein Anlass zur Panik. Montgomery zeigte sich überzeugt, dass einer Pandemie in Deutschland frühzeitig entgegengewirkt werden könne. (APA/Reuters)

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