Irritation über Straw-Aussagen

14. März 2006, 19:43
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Serbischer-montenegrinischer Außenminister Draskovic "überrascht" - Kosovo-Präsident Sejdiu: Internationale Unterstützung für Pristina

Salzburg - Der serbisch-montenegrinische Außenminister Vuk Draskovic hat sich "überrascht" von den Aussagen seines britischen Amtskollegen Jack Straw über die Unausweichlichkeit der Unabhängigkeit des Kosovo gezeigt. Draskovic sagte am Samstag am Rande des EU-Westbalkan-Treffens in Salzburg, die Ansichten von Straw würden der UNO-Charta und der Schlussakte von Helsinki widersprechen.

Draskovic sagte, er hoffe, dass die derzeitigen Verhandlungen über den künftigen völkerrechtlichen Status der mehrheitlich von Albanern bewohnten südserbischen Provinz erfolgreich sein werden. Es sei gut, dass Straws Ansichten nicht mit der Position der internationalen Kosovo-Kontaktgruppe übereinstimmten, da sie dem Verhandlungsprozess schaden würden.

"Beleg für Unterstützung"

Der neue Präsident der von der UNO verwalteten Provinz, Fatmir Sejdiu, wertete Straws Äußerungen als Beleg dafür, "dass die Unterstützung für das Kosovo da ist". Zugleich sicherte er zu, dass auch in einem unabhängigen Kosovo die Rechte der Volksgruppen respektiert werden. Die Provinz sei zudem an gut nachbarschaftlichen Beziehungen mit Serbien interessiert.

Der UNO-Chefverhandler für das Kosovo, Martti Ahtisaari, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Albert Rohan an dem Treffen teilgenommen hatte, wollte die Aussagten Straws nicht kommentieren.

Der albanische Außenminister Besnik Mustafaj zeigte sich erfreut von der Einschätzung Straws; diese sei gerecht. Ein unabhängiges Kosovo werde zur Stabilität in der Region beitragen. Straw hatte am Freitagabend zum Abschluss des ersten Tages des informellen EU-Außenministertreffens in Salzburg vor Journalisten gesagt, im Kosovo sei "der Pfad zur Unabhängigkeit fast unausweichlich", da eine Mehrheit der Bevölkerung dies wolle und eine Rückkehr zur Situation vor dem Kosovo-Krieg 1999 nicht möglich sei.

Der Koordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa, Erhard Busek, sagte gegenüber der APA: "Das eigentliche Problem liegt nicht darin, dass sich die Engländer jetzt äußern, sondern wie wir halbwegs gesichtswahrend mit den Serben das Problem lösen. Wenn alle diese Äußerungen dazu führen, dass sich alle noch mehr eingraben, sind sie nicht hilfreich. Wenn diese Äußerungen dazu führen, dass Wirklichkeiten akzeptiert werden, sind sie hilfreich." (APA)

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