Ferrari steht ganz vorne

15. März 2006, 11:49
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Michael Schumacher holt Pole Position und stellt Senna-Rekord ein - Teamkollege Massa Zweiter vor Button und Alonso - Klien Achter

Sakhir/Bahrain - Michael Schumacher hat den Senna-Rekord egalisiert und geht am Sonntag (12.30 Uhr MEZ/live ORF 1) beim Auftakt-Grand Prix in Bahrain zum 65. Mal aus der Pole Position in ein Formel-1-Rennen. Der 37-jährige Ferrari Pilot war im erstmals in drei Teilen gefahren Qualifying in 1:31,431 Min. Schnellster vor seinem neuen Ferrari-Teamkollegen Felipe Massa und Jenson Button im Honda. Weltmeister Fernando Alonso wurde Vierter, der starke Österreicher Christian Klien (Red Bull) startet als Achter aus der vierten Reihe.

Rote erste Reihe

Beide Ferrari in der ersten Reihe, das hat es zuletzt 2004 beim Ungarn-GP gegeben und ist ein klares Zeichen, dass die Italiener nach einem Krisenjahr zurück sind. In Ungarn hatte Schumacher vergangenes Jahr auch seine bisher letzte Pole heraus geholt. "Ein tolles Gefühl, wieder ganz vorne zu sein. Es hat aber auch lange genug gedauert", sagte der Rekord-Weltmeister, nachdem er den letzten noch fehlenden Rekord seiner Karriere erreicht hatte. "Wir fühlen uns wie Phönix aus der Asche."

Die Experten waren sich freilich nicht ganz sicher, ob nun schon das Comeback des im Vorjahr so geprügelten Vorzeige-Rennstalles aus Italien war. Schumacher und Massa seien mit einem leichteren Auto gefahren, würden am Sonntag im Gegensatz zu den Renault und den Hondas drei Stopps machen, war der Tenor. Niki Lauda lobte zwar, blieb aber auch skeptisch: "Ferrari ist zurück. Aber mal abwarten, wie sich das Rennen entwickelt."

Lachender Klien

Ungeteilte Freude gab es dafür bei Klien, der es als einziger der vier Red-Bull-Piloten in die Superpole der letzten zehn Autos schaffte. Dort ließ der 23-jährige Bahrain-Spezialist aus Vorarlberg mit Giancarlo Fisichella (Renault) und Nick Heidfeld (BMW) trotz viel Benzin an Bord zwei Werkspiloten hinter sich und gab sich dementsprechend zufrieden. "Wir hatten einen wirklich harten Winter mit vielen Problemen. Deshalb freut mich Platz acht besonders, auch für das Team", sagte Klien, der wie Schumacher einen Ferrari-Motor fährt.

Der Österreicher hielt auch seinen Teamkollegen David Coulthard (13.) in Schach. Das neue Quali-Format sei gut, aber vor allem mental anstrengend. "Du musst dich dreimal voll konzentrieren, das geht echt an die Substanz", sagte er. Am Sonntag soll nach dem Seuchen-Winter nun erstmals eine volle Renndistanz im Red Bull gelingen. "Wenn das klappt, sind Punkte drin", glaubt Klien.

Pechvogel Raikkönen

Das neue K.o.-Training in drei Teilen wurde durchwegs positiv aufgenommen. Weniger begeistert war nur Vizeweltmeister und Dauer-Pechvogel Kimi Räikkönen. Der Finne verlor schon wenigen Minuten nach Beginn den Heckflügel seines McLaren-Mercedes, drehte sich und riss sich auch noch das Hinterrad ab. Damit war das Out gleich in Runde eins und der letzte Startplatz fix.

Abgesehen von dieser turbulenten Anfangsszene, nach der die erste Session für neun Minuten unterbrochen werden musste, war das neue Format nach drei Jahren Einzelzeitfahren ein echter Gewinn. In Runde eins schied auch Ralf Schumacher aus, in der 2. erwischte es neben Ralfs Toyota-Teamkollegen Jarno Trulli sowie Jacques Villeneuve (BMW) auch den Klien-Teamkollegen Coulthard und die beiden Toro-Rosso-Piloten.

Berger hat Punkte im Hinterkopf

Gerhard Berger war mit den Plätzen 15 (Vitantonio Liuzzi) und 16 (Scott Speed) dennoch mehr als zufrieden. "Besser hätte es für uns beim ersten Mal fast nicht laufen können", sagte der Tirolr, der sein neues Team auf Anhieb aus der bisher vom Vorgänger-Team Minardi gepachteten, letzten Startreihe geführt hatte. Mit den standfesten V10-Motoren sei am Sonntag einiges möglich. Sogar Punkte? "Die hat man natürlich immer im Hinterkopf, dazu müssen aber viele ausfallen und ich weiß nicht, ob man uns den Gefallen tut", meinte Berger.

Trotz der spannenden Qualifikation ist aber wieder nicht klar, wer für Sonntag wirklich das schnellste Auto hat. Ferrari werde auf jeden Fall einen Stopp mehr einlegen als die unmittelbare Konkurrenz, sind alle überzeugt. "Wenn nicht, kann man ihnen nur gratulieren. Denn dann hat Ferrari erst heute seine Karten wirklich aufgedeckt", sagte etwa Berger. Lauda meinte: "Die neue Quali ist super und spannend, so etwas perfektes habe ich noch nie gesehen. Schön wäre nur, wenn auch die letzten zehn Autos mit wenig Benzin fahren würden. So weiß man jetzt wieder nicht, wer das schnellste Auto hat." (APA)

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    foto:epa/breloer
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