"Der Kopf muss frei sein"

22. Juli 2006, 13:39
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Benjamin Raich hat als vierter Österreicher den Gesamtweltcup gewonnen. Der Tiroler im Interview über einen seiner größten Erfolge

Weltcupsieger Benjamin Raich im Interview:

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Wie fühlen Sie sich jetzt als Gesamt-Weltcup-Sieger?
Raich: "Das hört sich sensationell an und war ein Riesenziel von mir, das man nur schwer man erreichen kann. Es ist ein Beweis für Konstanz und langjährige Arbeit, nicht nur, was meine Arbeit, sondern auch die von meinen Trainern betrifft. Ich bin überglücklich, dass es jetzt fix ist."

Seit wann haben Sie dieses Ziel verfolgt?
Raich: "Es war schon immer ein Riesenziel von mir. Die Voraussetzung dafür wurde schon vor Jahren gelegt. So gesehen war es schon lange im Kopf. Doch im Rennen muss der Kopf frei sein, und das habe ich immer super hingekriegt."

Wenn Sie auf die vergangenen drei Wochen zurückblicken - Stichwort zwei Olympiasiege in Turin, danach Ihr 28. Geburtstag am 28. Februar und jetzt Weltcup-Gesamtsieg - was geht da in Ihnen vor?
Raich: "Sportlich ist der Gesamtweltcup sicher das Größte, was man erreichen kann, denn man muss Konstanz in allen verschiedenen Disziplinen erreichen. Das ist mir gelungen. Im Gesamt-Weltcup gibt es keine Zufallssieger."

Welcher Titel ist nun wichtiger - der Olympiasieg oder der Gesamtweltcup-Triumph?
Raich: "Der Olympiasieg ist das Größte, was man erreichen kann, denn Winterspiele sind eine sehr historische Veranstaltung, die nur alle vier Jahre stattfindet. Jeder will Olympiasieger werden, denn das ist der Erfolg mit dem größten Ruf. Aber der Gesamtweltcup ist um nichts drunter."

Obwohl Österreich als die Ski-Nation schlechthin gilt, sind Sie erst der vierte ÖSV-Weltcup-Gesamtsieger ...
Raich: "Das zeigt die Bedeutung dieses Titels. Viele habe es versucht, doch gerade in Österreich ist dieser Titel besonders schwer zu erreichen. In unserem Lager ist die Konkurrenz riesengroß. Und um diesen Titel zu schaffen, muss man viele Disziplinen fahren. Das ist bei uns sehr schwer, man muss also schon froh sein, wenn man in allen Disziplinen starten darf. Aus diesem Grund ist der Gesamtweltcupsieg so schwer zu erreichen, aber dafür auch so bedeutend."

Sie stehen jetzt auf einer Stufe mit Karl Schranz, Hermann Maier und Stephan Eberharter, macht Sie das besonders stolz?
Raich: "Das kann sich auf jeden Fall hören lassen, weil das waren alle große Skifahrer. Auch andere waren groß, doch diese drei sind drei der Größten. Deshalb ist es für mich eine Riesenehre, mit diesen drei in einem Atemzug genannt zu werden."

War einer dieser drei ein Vorbild für Sie?
Raich: "Eigentlich war keiner von ihnen ein Vorbild. Mit Eberharter bin ich noch gemeinsam gefahren, und der Hermann ist noch immer mein Teamkollege. Ich habe mir aber Eberharter oft auf Video angeschaut, vor allem seine Fahrten zum Kombinations-WM-Titel 1991 in Saalbach. Das kann man als Vorbild nehmen, aber Schranz habe ich nicht mehr mitgekriegt, der war vor meiner Zeit."

Sie haben als Doppel-Weltmeister, Doppel-Olympiasieger und jetzt Gesamtweltcup-Sieger alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Welche Motivation bzw. welche Ziele bleiben da noch für die Zukunft?
Raich: "Für die nächste Zeit will ich im Moment überhaupt keine Ziele nennen. Ich will jetzt einmal das genießen, was ich erreicht habe. Ein großes Ziel habe ich aber noch in dieser Saison: Ich will auch noch den Riesentorlauf-Weltcup gewinnen. Weiter blicke ich nicht in die Zukunft. Außerdem ist der Sport selbst eine so große Herausforderung und so schön, dass ich sicher wieder Motivation finden werde."

Wird es auch einmal ein Interview mit Benni Raich als Abfahrtssieger geben?
Raich: "Das ist natürlich schon noch ein Ziel für mich, auf das ich seit mehreren Jahren schon hart trainiere. Bis jetzt hat es sich noch nicht ausgezahlt, doch ich denke das kommt noch."

Nach den fünf WM-Medaillen im Vorjahr, welchen Stellenwert hat für Sie persönlich die Olympia-Saison?
Raich: "Das ist der absolute Karrierehöhepunkt für mich. Ich habe alles erreicht, was man erreichen kann. Das kann man mit Worten gar nicht beschreiben."

Haben Sie eigentlich schon realisieren können, was Sie da in den vergangenen 19 Tagen geschafft haben?
Raich: "Ich glaube, das werde ich alles erst realisieren, wenn einmal Ruhe eingekehrt ist, also nach dem Weltcup-Finale in Aare."

Und wo wird jetzt die erste Feier stattfinden?
Reich: "Im Bus, denn vor uns liegen nun mehrere Stunden Fahrt nach Tokio. Da werden wir sicher einmal a Bierl aufmachen. Und in Tokio haben wir dann auch noch Zeit, weil wir erst am Sonntag zurückfliegen." (APA)

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