Raich holt die große Kugel

16. März 2006, 09:07
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Platz vier im zweiten Slalom von Shiga Kogen reicht für Gesamtweltcup-Sieg - Herbst gewinnt Rennen ex aequo mit Palander

Shiga Kogen - Österreichs Ski-Herren haben in Shiga Kogen im letzten Rennen vor dem Weltcup-Finale in Aare noch einmal groß abgeräumt. Der Tiroler Olympiasieger Benjamin Raich fixierte einen Tag nach seinem sechsten Saisonerfolg mit Platz vier im zweiten Slalom in Japan endgültig den ersten Triumph im Gesamt-Weltcup, und der Salzburger Olympia-Zweite Reinfried Herbst feierte in Japan ex aequo mit dem Finnen Kalle Palander seinen ersten Sieg im Weltcup. Dritter wurde wie am Vortag der Kanadier Tom Grandi.

Sportlich das Größte

"Ich bin überglücklich, dass es jetzt fix ist. Der Gesamt-Weltcupsieg ist etwas ganz Besonderes für mich, denn er ist der Lohn für den vielseitigsten und konstantesten Skifahrer. Sportlich ist er sicher das Größte, was man erreichen kann. Im Gesamtweltcup gibt es keine Zufallssieger", frohlockte Raich nach der Verwirklichung seines letzten großen Kindheitstraums. In nur 13 Monaten krönte sich der 28-jährige Pitztaler damit zum Doppel-Weltmeister, Doppel-Olympiasieger und Gesamtweltcup-Triumphator.

So viele Erfolge in derart kurzer Zeit hatte bisher nur ein einziger Österreicher geschafft: Hermann Maier, der 1998 Doppel-Olympia- und Gesamt-Weltcupsieger, ehe er im Folgejahr auch noch Doppel-Weltmeister wurde. Allerdings eroberte Raich dazu noch zwei Vizeweltmeistertitel und eine WM-Bronzemedaille und hält damit ebenso wie der "Herminator" schon bei insgesamt sechs WM- sowie vier Olympia-Medaillen.

Erster Weltcup-Erfolg für Herbst

Herbst war abseits des Trubels um Raich sozusagen der stille Sieger des Tages. "Die ganze Saison ist super gelaufen, und jetzt auch noch der erste Weltcupsieg, das ist ein Hammer, ein Traum, ein Wahnsinn", lautete der hocherfreute Kommentar des 27-Jährigen, der vor nicht einmal einem Jahr nach schwachen Leistungen aus dem ÖSV-Team geflogen war, nun aber seinen Fixplatz in der starken Slalom-Mannschaft von Gert Ehn hat.

"Nach Olympia hat sich doch viel verändert - die vielen Empfänge, aber auch sonst ist viel passiert. Aus diesem Grund habe ich mich schon riesig auf den ersten Slalom nach Olympia hier in Japan gefreut. Der ist mit dem 19. Rang aber irrsinnig schief gegangen. Doch auch dieses Ergebnis hat mir keinen Dämpfer gegeben. Ich wusste ja, woran es lag - es hat einfach nicht ganz gepasst", erinnerte Herbst an den Vortag.

Mit Vollgas zum Erfolg

"Außerdem ist die ganze Saison so gut gelaufen, da kann dann auch einmal so ein Ergebnis drin sein. Das kann passieren, man darf sich deshalb nicht rausbringen lassen. Aus diesem Grund habe ich mir für den zweiten Slalom hier nur vorgenommen, Vollgas zu geben und alles zu versuchen, damit mir der Debüterfolg gelingt. Und als ich dann am Samstagabend bei der Auslosung die Nummer eins fürs Rennen bekam, wusste ich, dass für mich alles möglich ist."

Bei erneut frühlingshaften Bedingungen erzielte Herbst im ersten Lauf trotz eines Fehlers die fünfte Zeit, im zweiten genügte ihm dann auf extrem schlechter Piste die zehntbeste Marke, um sich am Ende mit Halbzeit-Leader Palander Platz eins zu teilen. Der Finne wahrte damit seine Chance auf die Slalom-Kristallkugel, da Giorgio Rocca nur auf Rang acht landete. Vor dem letzten Slalom in Schweden hat der Italiener nun 52 Zähler Vorsprung auf Palander.

Feierstimmung bei Giger

"Unglaublich, was Reinfried heuer geschafft hat. Ich habe ihm prophezeit, dass es eine der besten Saisons für ihn werden wird. Nun ist mit Olympia-Silber und dem Weltcup-Sieg für ihn ein Traum wahr geworden. Das werden wir jetzt auch entsprechend feiern", kündigte ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger an.

Ein Erfolgsgeheimnis für seinen späten Durchbruch hat Herbst übrigens nicht. "So etwas passiert einfach. Auf einmal ist das Selbstvertrauen da und es läuft wie von selbst! So wie heute im zweiten Lauf, der trotz der schlechten Piste noch voll abgegangen ist. Da hat einfach alles zusammengepasst." (APA)

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    Sektdusche für den ÖSV. Ganz oben am Podest: Benjamin Raich (li) und Teamkollege Reinfried Herbst (re)

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