Ein Platz für Tiere

10. März 2006, 19:32
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Lukas Resetarits präsentierte im Vindobona sein wunderbares neues Programm "XXII"

Wien - Um gleich in der Fauna zu bleiben, die Lukas Resetarits heute ein großes Anliegen ist: Sehr wahrscheinlich besitzt der Mann, was Kritik ihm gegenüber betrifft, ein Elefantengedächtnis. Immerhin scheint ihn der Vorwurf, dass er sich in seinem letzten Programm viel zu sehr mit Tieren beschäftigte, wo doch beim Kabarett der Mensch im Mittelpunkt zu stehen habe, nachhaltig zu wurmen.

Bei der Premiere seiner neuen Arbeit XXII gibt er dem Publikum im nach einem Umbau neu eröffneten Kabarettlokal Vindobona während der ersten halben Stunde diesbezüglich ordentlich Stoff. Sozusagen Ätschbätsch!

Nur Gartenbesitzer im Publikum wussten wohl vorher, dass es die Blattschneiderameise überhaupt gibt. Interessant aber zu erfahren, dass der Ameisenbär beim Jagen oft ein ganz schöner Trottel ist. Und dass ein Gepard schneller als der Mensch läuft, dieser aber besser Autorasen kann, und ein Känguru doch keinen guten Kellner abgeben würde, weil es beim Hüpfen zum Tisch alles verschüttet: alles geschenkt!

Der Mensch allein ist die Krone der Schöpfung! Angesichts der Erfindung von Gasthäusern, Banken, Kanalgittern, Klingeltönen und dem - zugegeben - Orchideenfach der individuellen Gestaltung jeder einzelnen Schneeflocke, die vom Himmel fällt, kann man nicht umhin, von einem "Intelligent Design" zu sprechen. Alles wird gut, denn alles macht Sinn! Gott lebt und ist pumperlgesund. Nur fernsehen findet er langweilig, weil er immer weiß, wie's ausgeht. Geht es noch tiefer? Aber, ja! Wir sitzen hier schließlich im Wirtshaus.

Lukas Resetarits redet sich in der Diktion eines Weinviertler Stammtischphilosophen mit Damenspitz aus der Tierwelt zunehmend Richtung Affen unserer Gattung. Wirtshaus, Wirtschaft, NLP. Von Win-Win-Situationen ist die Rede, in denen sich Arbeitslose befinden, weil sie ja eh nichts mehr zu verlieren hätten. Resetarits lästert über heute selbst für Tiere unerlässliche ökonomische und andere Fun-Faktoren.

Er beschäftigt sich sehr eingehend mit der Frage, warum es als Katzenfutter immer nur Rinderbraten, nie aber faschierte Mäuse in der Dose geben würde. Fürs Stammpublikum zieht er dann auch noch pflichtschuldig den Hut - und über eine Regierung her, die in ihrer schwarzblauorangen Farbgebung aussehe wie ein überständiger Pressschinken.

Aus dieser Richtung kommt dann auch angesichts besagter Win-Win- und Hack'nstad- Situation der schöne Spruch: "Als Laie soll man nicht versuchen, sich selber zu helfen."

Und Resetarits befindet sich anhand herrlich geschilderter Erlebnisse auf dem Postamt früherer Zeiten und der Arroganz pragmatisierter Beamter im Gegensatz zu ihrer heutigen Unterwürfigkeit im freien Markt endlich wieder ganz in seinem Metier. Lukas Resetarits kann auch in seinem 22. Soloprogramm in 29 Jahren den heimischen Alltag, seine Absurdität und seine Affen nachstellen wie kein Zweiter. Weil er im Wirtshaus nicht nur Schmäh führt, sondern auch zuhört, was am Nebentisch gerade wieder für ein Blödsinn geredet wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.03.2006)

Von Christian Schachinger
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    Lukas Resetarits spielt noch bis 6. April im Wiener Vindobona "XXII".

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