Wo fand Anna Maria Mozart letzte Ruhe?

20. März 2006, 14:05
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Robert Mihatsek hat bei einer Stadtführung in Paris gehört, dass Mozarts Mutter entweder in der Kirche Saint-Sulpice oder in der Kathedrale Saint-Denis begraben wurde.

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Ich muss gestehen, dass ich mich während meines letzten (und einzigen) Paris-Aufenthalts vor zehn Jahren mehr für das Grab des "Doors"-Sängers Jim Morrison als für jenes von Mozarts Mutter interessierte. Aber selbst wenn ich mich auf die Suche nach deren Grab begeben hätte, wäre ich nicht fündig geworden, weil dieses längst nicht mehr existiert. Man weiß lediglich, dass Anna Maria Mozart am 4. Juli 1778 auf einem zur Kirche Saint-Eustache gehörenden Friedhof begraben wurde, was gleichzeitig ausschließt, dass sie ihre letzte Ruhestätte in Saint-Sulpice oder in Saint-Denis fand.

Auch stellt sich die Frage, wer sich um das Grab von Mozarts Mutter hätte kümmern sollen? Wolfgang Mozart verließ Paris drei Monate nach ihrem Tod, und dort gab es niemanden, dem die Pflege der Grabstätte Anna Maria Mozarts ein Anliegen gewesen wäre. Dass man im Mozartjahr 2006 ihre Knochen liebend gerne ausgegraben und untersucht hätte, konnte damals in Paris ja niemand ahnen. Auch hatte Mozart im Sommer 1778 andere Sorgen, als Blumen auf das Grab seiner Mutter zu legen, schließlich stand ihm das Wasser bis zum Hals.

Das soll übrigens nicht heißen, dass ihm der Tod seiner Mutter nicht nahe ging. Da sie in seinen Armen starb und er während der letzten neun Monate ihres Lebens ihr einziger Ansprechpartner war, wird er sich schon so seine Gedanken gemacht haben. Außerdem quälten ihn Schuldgefühle, weil er sich zu wenig um sie gekümmert hatte und er sie wochenlang in dunklen und feuchten Zimmern allein ließ, während er durch das verdreckte Paris irrte und sich bei ignoranten Adeligen - "lauter vieher und bestien" - in kalten Vorzimmern anstellen musste.

Den Tod der 57-jährigen Anna Maria Mozart beschleunigt hat sicherlich auch das kaum genießbare Essen, das sie einmal so beschreibt: "zu mittag bekomme ich ein bröckel schlechtes fleisch, etwas von einem kalbsfus in einer schmuzigen brühe und eine stein harte leber". Für Anna Maria Mozart endete die Paris-Reise mit dem Tod, für Wolfgang mit einem Fiasko, das mit der Zwangsrückkehr nach Salzburg seinen Abschluss fand. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, , 11./12.03.2006)

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