Weißere Beißer

30. August 2006, 10:46
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Ein strahlendes Gebiss wirkt sexy und anziehend, suggeriert die Werbung - der Markt mit Aufhellung versprechenden Zahncremes boomt. Ein Test

Aufhellende Zahnpasten: Ein strahlendes Gebiss wirkt sexy und anziehend, suggeriert die Werbung - je weißer die Beißerchen strahlen, desto besser. Und so boomt der Markt mit Aufhellung versprechenden Zahncremes. Reinhard Kremer fletschte die Zähne und nahm einige Pasten unter die Lupe.


Die Pflege der Zähne mit Paste gehört zur täglichen Hygiene, zumindest für die meisten von uns. Der Putzdrang ist offenbar uralt: Schon auf babylonischen Tontafeln wird von verschiedenen Pulvern und Pasten berichtet, die mit den Fingern auf die Zähne aufgetragen wurden. Auch die alten Ägypter verwendeten eine Art Zahnpasta, hergestellt aus gemahlenem Bimsstein und Weinessig. Die Damen der römischen Gesellschaft bestreuten Leinentücher mit Bimsstein und Marmorstaub, um ihre Zähne zu reinigen. Pasten aus Salz, Sesamöl, Ingwer, Zimt, Muskatnuss und Honig sollten in der altindischen Medizin die Zähne gesund halten. In Frankreich empfahl der Kanzler der medizinischen Fakultät von Montpellier Wein als Zahnreinigungsmittel.

Die Zahncreme, wie wir sie heute kennen, wurde 1907 vom Dresdner Apotheker Ottmar Heinsius von Mayenburg erfunden. Unter dem Namen Chlorodont erlangte die Zahncreme Weltruhm. Einen Vorläufer der Zahncreme, die Zahnseife, entwickelte der Apotheker Adolf Heinrich August Bergmann aus dem sächsischen Waldheim bereits im Jahre 1852.

Zahncreme besteht heutzutage aus einer weichen Paste oder einem Gel; ihre Hauptbestandteile sind Putzkörper, Schaumbildner, Netz- und Feuchthaltemittel, Geschmacks-und Aromastoffe, Konservierungsmittel sowie Farb- und Zusatzstoffe. Nicht zuletzt enthalten Zahncremes auch spezielle Wirkstoffe zur Parodontal- und zur Kariesprophylaxe (Fluoride).

Aber so manchem sind die eigenen Zähne nicht (mehr) strahlend genug, und so versucht man oder frau, im Zuge des Frühjahrsputzfimmels auch beim Gebiss strahlendes Weiß zu erzwingen - mit aufhellenden Zahnpasten. Bei diesen wird der oben genannten Rezeptur eine (im Vergleich zu "normalen" Pasten) erhöhte Zahl von Putzkörpern beigefügt. Als Putzkörper dienen Silikatverbindungen, Schlämmkreide oder Marmor; sie erleichtern die Entfernung der Plaque von der Zahnoberfläche.

Doch die Schmirgelei mit Kristallen, die die Zähne weißer machen soll, hat auch einen Nachteil: Stark abrasive Pasten können frei liegenden Wurzelzement abreiben und so sogar Schmerzen verursachen. Manche der den Zahnpasten zugesetzten Stoffe können auch zu allergischen Reaktionen führen.

Alternativen zu den weißenden Zahnpasten sind Bleichestreifen oder das professionelle Bleichen beim Zahnarzt, das ist die teuerste Methode. Die billigste ist eine gebräunte Gesichtshaut - dann sehen die Zähne automatisch weißer aus.

--> Zu den Kriterien und Bewertungen
Die Kriterien

Getestet wurden ausschließlich Zahnpasten mit beworbenem Weiß-Effekt. Acht Stück wurden aus dem immer breiter werdenden Sortiment ausgesucht und nach den Kriterien Geschmack, Gefühl im Mund, Auswirkungen auf das Zahnfleisch und tatsächliche Erhöhung des Weißfaktors der Zähne über mehrere Wochen von verschiedenen erwachsenen Personen getestet (für Kinder sind weißende Zahnpasten ungeeignet, sie würden den weichen Schmelz zerstören); täglich wurde zweimal geputzt. Der Weißegrad war hauptausschlaggebend für das Abschneiden im Test und wurde objektiv - mittels Vergleichs an einer Farbschablone vor Testbeginn und am Ende - festgestellt. Gleich vorweg: Die Ergebnisse waren enttäuschend, nur wenige Produkte brachten tatsächlich sichtbare Erfolge.


Die Ergebnisse

Dr. Best Zahnweiss
z.B. dm, 75 ml, 2,20 €

Schon der Geschmack der Dr. Best wurde mit gut bewertet - durchaus nicht selbstverständlich, wenn man ihn mit anderen Produkten vergleicht. Auch das Gefühl und die Konsistenz im Mund entsprachen den Wunschvorstellungen der Tester; beim Zahnfleisch wurden keine negativen Veränderungen bemerkt. Und: Die Zähne wurden tatsächlich weißer; innerhalb des Testzeitraumes um eine Nuance auf der Farbskala.
10 Punkte

Blend-a-med Medic Weiss
z.B. Bipa, 75 ml, 2,29 €

Der Geschmack, stellte eine Testerin fest, war "wie ein Pfefferminz-Kaugummi, der schnell seinen Geschmack verliert". Im Laufe des Putzvorgangs entwickelt sich jedoch ein leicht unangenehmer, schaler Geschmack im Mund Das Gefühl im Mund "ein bisschen bröselig, fast sandig". Am Zahnfleisch wurde auch eine leichte Rötung festgestellt. Subjektiv konnte die Testerin - eine Raucherin - zwar keine Erhöhung des Weißfaktors feststellen; laut Skala war aber eine Nuance nach drei Wochen täglichen Putzens erkennbar.
9 Punkte

Dentomed
Hofer, 125 ml, 0,99 €

Das preisgünstige Hofer-Produkt schmeckt nicht schlecht, das Gefühl im Mund ist schaumig-voll. Das Zahnfleisch blieb unbehelligt, doch waren die Zähne nach einer Woche putzen empfindlicher als vorher. "Das Gefühl, saubere Zähne zu haben, hielt länger als 12 Stunden an", meinte eine Testerin. Allerdings war kein Weißeffekt feststellbar.
5 Punkte

--> Weitere Ergebnisse

Perlweiß Schönheitszahnweiß
Bipa, 50 ml, 3,59 €

Der Klassiker - schon seit den 70er Jahren auf dem Markt. Inzwischen wurde die Angebotspalette deutlich erhöht; acht verschiedene Varianten von Pasten gibt es mittlerweile von Perlweiß, um die Beißerchen weißer zu machen. Der Geschmack des getesteten Typs war "minzig", die Paste wurde aber schnell schal. Auswirkungen auf das Zahnfleisch konnten die Juroren nicht feststellen, leider aber auch keinen Weißeffekt.
4 Punkte

Colgate Sensation White
dm, 75 ml, 1,85 €

Colgate gehört weltweit zu den am stärksten beworbenen Zahnpasten, und schon vor einigen Jahren wurde die Produktfamilie um den Typ Sensation White ergänzt. Der Schaum brennt ein wenig auf der Zunge; die Konsistenz beschreiben die Testpersonen als "etwas zu körnig". Das Zahnfleisch blieb unverändert; der Weißegrad leider auch.
4 Punkte

Mentadent White System, Bipa, 75 ml, 2,29 €
Bei diesem Produkt stellte die Jury einen "eigenartigen, etwas scharfen Nachgeschmack" fest. Weder das Gefühl des Schaumes im Mund noch der Geschmack konnten überzeugen. Weißer wurden die Zähne nicht, dafür die Zahnhälse empfindlicher. Als positiv wurde die Vergleichsskala auf der Rückseite der Tube bewertet.
2 Punkte

Dontodent
dm, 75 ml, 2,95 €

Den Geschmack beschrieb eine Testerin als "zu scharf und ekelhaft", das Gefühl im Mund war "körnig" und "nicht angenehm"; außerdem brannte die Paste auf der Zunge. Das Zahnfleisch wurde durch die Anwendung sehr empfindlich, auch die Zahnhälse schmerzten. An der Farbe der Zähne änderte sich - leider - nichts.
1 Punkt

Theramed Tag & Nacht
dm, je 75 ml, 3,95 €
für 2 Tuben

Hier gibt's gleich zwei Tuben, je eine für Tag und Nacht, die die Zähne weißer machen sollen. Die ersten 20 Sekunden beim Putzen fühlen sich "sehr frisch" an, doch leider folgt dann die Phase, wo die Paste "nach Kreideschlamm" schmeckt. Eine Testerin meint, dass man "für den Preis wenigstens guten Geschmack und richtigen Zahnpastaschaum" bekommen sollte. An der Farbe des Zahnschmelzes änderten auch die zwei Tuben nichts.
1 Punkt
(DER STANDARD, Printausgabe vom 11./12.3.2006)

Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.
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    bild: photodisc
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