Franzosen rüsten zum Kampf gegen Mücken

12. März 2006, 19:36
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Nachdem auch in Paris das gefährliche Chikungunya-Fieber bei Menschen festgestellt worden ist, kommt ein Aktionsplan gegen Tigermücken

Der Regierungschef hat Glück gehabt: Der Mückenstich auf der Hand, den Premierminister Dominique de Villepin vor Kurzem von der Tropeninsel La Réunion mit nach Hause brachte, stammt nicht von der berüchtigten Tigermücke. Diese Moskitoart mit dem wissenschaftlichen Namen „Aedes Albopictus“ ist verantwortlich für eine Grippe-Epidemie mit nahezu hundert Todesfällen im Indischen Ozean.

Allein auf der französischen Insel La Réunion wurden offiziellen Angaben zufolge rund 190.000 Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – von dem so genannten Chikungunya- Fieber befallen; 93 sind daran gestorben. Auf immer mehr Nachbarinseln werden ebenfalls Menschen angesteckt: Mauritius, Mayotte, die Seychellen, Komoren und nun auch Madagaskar.

"Gebeugter Mann"

Chikungunya, zu Deutsch „gebeugter Mann“, hat seinen Namen von den starken Glieder- und Gelenkschmerzen, die Infizierte buchstäblich in die Knie zwingen. Einen Impfstoff dagegen gibt es nicht; Moskitonetze und -sprays nützen wenig gegen die auch tagsüber aktiven Stechmücken.

Gefahr unterschätzt

Seit den Fünfzigerjahren bekannt, wurde das Virus lange Zeit unterschätzt; auch wirtschaftlich: Der Fremdenverkehr, die wichtigste Einnahmequelle von La Réunion, ist eingebrochen; mehrere Hotels haben schon geschlossen. Villepin musste in aller Eile zu der fast 10.000 Kilometer entfernten Insel fliegen, um der Bevölkerung Hilfe zu versprechen. Für eine wirksame Vorbeugung ist es zu spät. Da ein Impfstoff nicht vor fünf Jahren zu erwarten ist, setzt die Armee auch Insektizide ein, um der Plage Herr zu werden. TV-Spots rufen dazu auf, Wasserlacken zu eliminieren und alte Reifen zu entsorgen.

Nicht von Mensch zu Mensch übertragbar

In Frankreich wurden bisher knapp 50 Fälle registriert; alle bei Rückkehrenden aus La Réunion. Da Chikungunya nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird, besteht keine unmittelbare Infektionsgefahr. Im europäischen Winter überlebt die Mücke nicht. Ab Juni allerdings schon.

Auch andere Länder

Nach Italien wurden diese Stechmücken, die auch das Dengue-Fieber übertragen können, 2005 auch in einigen Städten an der Côte d’Azur sowie in Barcelona festgestellt. In Frankreich bereitet die Regierung nun ein Programm zur Bekämpfung dieser potenziell gefährlichen Mücke vor. Der auf La Réunion seit Wochen kritisierte Gesundheitsminister Xavier Bertrand erklärte, er werde schon bald den „Aktionsplan zur Mückenbekämpfung“ vorstellen; Forschungsinstitute, Krankenhäuser und Behörden arbeiteten daran. Aus Ländern wie Italien oder Spanien sind keine entsprechenden Pläne bekannt.

Lottogewinn wahrscheinlicher

Laut Gesundheitsexperten ist es in Europa auch in diesem Sommer leichter, im Lotto einen Volltreffer zu landen als Chikungunya zu kriegen. Im Januar hatte der französische Übersee-Minister Francois Baroin auf La Réunion allerdings auch erklärt, Chikungunya sei „eine Krankheit, an der man nicht stirbt“. (DER STANDARD Printausgabe, 11./12.03.2006)

Stefan Brändle aus Paris
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    Die Tigermücke: Für Menschen gefährlich

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