Qualmende Medizinstudenten

11. März 2006, 11:00
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Rauchende Stud. med. und ihre geschädigten Blutgefäße

Wissenschafter um David Bernhard vom Biozentrum Innsbruck untersuchten das Rauchverhalten von Medizinstudierenden und analysierten dabei deren Blut. Das Ergebnis: Im Serum der rauchenden Studenten haben die Forscher zahlreiche Metalle gefunden, die vom Zigarettenrauch herrühren und die die Blutgefäße nachweislich schädigen.

Mehr als ein Drittel der Innsbrucker Medizinstudierenden sind Raucher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von David Bernhard von der Sektion für Experimentelle Pathophysiologie und Immunologie am Biozentrum Innsbruck. Österreich ist europaweit die Nummer eins, wenn es um die Zahl der Raucher in der Bevölkerung geht. Die Republik hat den vormals führenden südeuropäischen Staaten, wie Portugal oder Griechenland, längst den Rang abgelaufen. Rund 47 Prozent der erwachsenen Österreicherinnen und Österreicher greifen täglich zum Tabak. Die Studierenden an der Medizinuni Innsbruck stehen dem um nichts nach: In einer Umfrage hat sich mehr als ein Drittel der Medizinstudenten (35 Prozent) als Raucher deklariert. Und von den Nichtrauchern gaben 71 Prozent an, dass sie regelmäßig Zigarettenrauch ausgesetzt sind.

Bei der Untersuchung der Blutproben der rauchenden Studenten wurden deutlich erhöhte Werte für Metalle wie Kadmium und Strontium gemessen. Selbst bei den Passivrauchern gab es einen Trend zu erhöhten Werten. Dieser war allerdings nicht signifikant, weshalb die Forscher derzeit an einer weiteren, größeren Studie arbeiten. Die während eines Praktikums durchgeführte erste Studie umfasste 56 Probanden.

Die Gruppe um Bernhard beschäftigt sich seit Jahren mit den Folgen von Rauchinhaltsstoffen für die Blutgefäße. In Zellkulturexperimenten konnten die Wissenschafter bereits nachweisen, dass Metalle aus dem Zigarettenrauch zur Oxidation von zellulären Eiweißstoffen führen. Durch diesen oxidativen Stress werden zelluläre Strukturen, wie das Mikrotubulussystem und in weiterer Folge verschiedenste Komponenten des Zytoskeletts, zerstört. Die Rauchinhaltsstoffe fungieren in gleicher Weise wie andere klassische Risikofakten bereits im frühesten Stadium der Arteriosklerose als Stressfaktoren für die gefäßauskleidenden Zellen.

Die Daten dieser Untersuchung werden in der Fachzeitschrift "Atherosclerosis Thrombosis and Vascular Biology" publiziert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12. 3. 2006)

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