Gesucht: "Verräter" und Sparpotenziale

16. Oktober 2006, 17:39
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Der Gewerkschaftsbund könnte 2005 erstmals rote Zahlen schreiben - Mehr als die Hälfte des Budgets wird bereits für Personal aufgewendet

Wien – Abseits der Suche nach "Verrätern", die ihr Schweigen über die Suche nach Sparpotenzialen im ÖGB gebrochen und Präsident Fritz Verzetnitsch ein Ultimatum gestellt haben, versuchte man am Freitag zu kalmieren. "Der ÖGB muss sparen, wie auch andere Unternehmen", betonte ÖGB-Finanzchef Günter Weninger, das habe mit der Refco-Pleite und dem 425-Millionen-Euro-Kreditdebakel der Bawag nichts zu tun. Um im ORF-Mittagsjournal umgehend einzugestehen, dass die ÖGB-Bilanz 2005 erstmals rote Zahlen ausweisen könnte.

Dass es die sechs der 13 Teilgewerkschaften ernst meinen und den Reformdruck auf die Bundesorganisation erhöhen, zeigt sich nicht zuletzt daran, "dass bereits Überweisungen an den ÖGB zurückgehalten werden", wie Funktionäre besorgt berichten. Hintergrund: Die Teilgewerkschaften kassieren die Mitgliedsbeiträge und leiten rund 30 Prozent an die Zentrale weiter, die dafür die Personalkosten übernimmt.

Mit intensiver Anwerbung neuer Mitglieder wird sich die Krise freilich nicht überwinden lassen, auch der Verzicht auf Leistungen, wie ihn Christgewerkschafter Karl Klein anregt, hilft nur mäßig. Denn für die Unterstützung von Mitgliedern werden nur mehr 5,2 Prozent aufgewendet, 11,9 Prozent für Organisations- und Bildungsarbeit, für Personal dafür 50,59 Prozent. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.3.2006)

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    Sechs der 13 Teilgewerkschaften erhöhen den Reformdruck auf ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch.

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