Schweizer Experte: Iran weit weg von militärischem Atomprogramm

13. März 2006, 13:34
4 Postings

Atomprogramm Teherans "Symbol für den Fortschritt", kein Produkt des Islamismus

Bern - Für den Iran habe das Atomprogramm mehr mit Nationalismus als mit ernsthaften Energie-Bedürfnissen zu tun, ist Bruno Pellaud, der frühere stellvertretende Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und derzeitige Präsident des Nuklearforums Schweiz, überzeugt. Von einem militärischen Atomprogramm sei Teheran ohnehin noch weit entfernt.

Der Iran habe ausreichend Erdöl- und Gasvorkommen und sei auf Atomenergie nicht angewiesen, erklärte Pellaud am Freitag gegenüber dem Westschweizer Radio (RSR). Nach Schätzungen der US-Geheimdienste sei Teheran noch rund zehn Jahre vom Bau einer Atombombe entfernt. Die Iraner hätten lediglich einige Dutzend Zentrifugen in Bewegung gesetzt - für ein ernsthaftes Atomprogramm brauche es aber tausende davon.

"Fetisch"

Die atomaren Ambitionen seien für ihn auch kein Produkt des Islamismus - es handle sich vielmehr um einen "Fetisch" der nationalen Entwicklung, ein Symbol für den Fortschritt, auf den der Iran ein Recht hätte. Die internationale Staatengemeinschaft sei "ziemlich gut" über die Vorgänge im Iran unterrichtet, dabei könne sie sich auf die IAEO-Inspektionen sowie auf Spionage abstützen, sagte Pellaud.

Die iranischen Nuklearpläne gingen auf das Jahr 1959 zurück. Damals habe der Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlavi, ein gewaltiges Programm gestartet, mit dem Ziel, 25 Atomanlagen zu bauen. Tausende von Spezialisten seien in der Folge zur Ausbildung in den Westen entsandt worden, rief Pellaud die Ursprünge des iranischen Atomprogramms in Erinnerung. Deutschland, Frankreich und die USA hätten sich zu jener Zeit darum gerissen, Nuklearzentren an Teheran zu verkaufen. (APA/sda)

Share if you care.