Die Denk-Tankstellen der Parteien

10. März 2006, 18:55
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Die FPÖ sieht ohne Förderungen die intellektuelle Arbeit gefährdet, die Akademien leisten

Von Planspielen wie "Kanzler forever" über Seminare wie "Pack ma's im Gemeinderat": Die politischen Akademien formen als Thinktanks und Bildungseinrichtung die ideologische Ausrichtung ihrer Parteien mit. Auch deshalb wäre der Förderverlust für die FPÖ bitter.

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Wien – Wer im politischen Alltag Erfolg haben will, benötigt mitunter professionelle Hilfe. Wertvolle Tipps liefern die Rhetorikgrundlagen der Freiheitlichen Akademie: "Zeichnen Sie ein Horrorszenario!" (immer in Gegenwartsform) wird da dem ideologisch zu schulenden Parteinachwuchs nahe gelegt. Für gelungene Pressearbeit rät man: "Inszenieren Sie aus Banalitäten Reißer." Erlaubt ist, was sich innerhalb der Rechtsordnung befindet. Aber Achtung: "Vorsicht vor Volksverhetzung!"

Vor allem das "Collegium Scala" der Akademie versteht sich als blaue Kaderschmiede. Ausgewählte Jung-Straches bekommen in dem einjährigen Spezialprogramm juristisches Basiswissen und politische Ellbogentechnik vermittelt.

An der Spitze der FP-Akademie steht einer, der etwas vom Handwerk versteht: Volksanwalt Ewald Stadler besetzt seit '04 jenen Posten, den vor ihm lange Jörg Haider innehatte.

Gefährdeter Intellekt

Neben der Vermittlung der blauen Weltsicht geht es ihm auch um die Kommunikation derselben. Mit Seminaren wie "Pack ma's medial" oder "Pack ma's im Gemeinderat" soll auch der kleine Funktionär professionell geschult werden. Vorausgesetzt, die Förderung bleibt nicht aus. Denn das würde laut Stadler auch die "intellektuelle Vorarbeit" für die FP "gefährden".

Unabhängig, wie der Streit um die blaue Subvention ausgeht: ÖVP und SPÖ bekommen als mandatsstärkere Parteien mehr Geld für ihre Akademien – 3,53 und 3,19 Millionen Euro. Die Größe bringt auch hochtrabendere Veranstaltungstitel: Die ÖVP etwa bietet in ihrer "Polak" im ehemaligen Springerschlössl Training in "Wertesicherheit" – und hoffnungsvolle Planspiele wie "Kanzler forever".

"Es gibt fast keinen Nationalratsabgeordneten, der nicht ein Programm bei uns besucht hat", versteht Peter Danich die "Polak" als wichtiges Bildungsinstitut. Vom Rede- bis zum Wahlkampftraining (etwa "manipulative Rhetorik anwenden") wird alles geboten – besonders für Polit- Einsteiger wichtig, findet Danich: "Die Politik ist schneller geworden, daher muss man schneller reinkommen." Über 80 Prozent der finanziellen und personellen Ressourcen gehen in die Bildungstätigkeit.

Danich selbst würde sich als "politischen Berater" definieren. Und bedauert, dass diese Beschleunigung der Politik auch weniger Zeit zum Nachdenken und für Grundsatzarbeit bleibt: "Es ist schwieriger geworden, langfristige Konzepte zu realisieren." Aber das Hauptkonzept für 2006 lautet ohnehin – Wahlkampf.

Eine Idee Kreiskys Eingeführt wurden die Partei-Institute Anfang der 70er- Jahre. Der damalige Kanzler Bruno Kreisky war noch in seinen Memoiren stolz auf die Idee: "Die Akademien bewirken besonders bei jungen Leuten, die noch bildbar sind, manche Wunder." Der aufklärungsoptimistische Eifer der Anfangsjahre legte sich, dennoch versucht das Renner-Institut heute noch Grundsätzliches wie "zukunftsfähige Wirtschaftspolitik" zu diskutieren. "Wir tanken auch die geistigen Tanks der SPÖ auf", beschreibt Leiter Karl Duffek das Ziel, nicht nur Coachingzentrale zu sein. Fügt aber hinzu: "Wir sind nicht die einzigen, die nachdenken."

Eine parteiinterne Kaderschmiede ist das Renner-Institut aber auch. Gerade in der Vorwahlzeit durchlaufen viele Kandidaten die inhaltlichen und technischen Schulungen.

Ähnlich ist es bei den Grünen. Als hehres Ziel gibt die Obfrau der Grünen Bildungswerkstatt, Daniela Graf, "Bildung für Staatsbürger" an. Aber die Funktionärsschulung sei selbstverständlich Teil der Bildungsarbeit. Vor allem vor Gemeinderatswahlen werde die Nachfrage nach Rechts- oder Rhetorikkursen "immer dichter". Und mancher will Basics – überhaupt erst einmal mit dem grünen Programm vertraut werden. (Eva Linsinger/Karin Moser/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.3.2005)

  • Bruno Kreisky hat das Renner-Institut gegründet. Seit 1979 logiert es im Gartenhotel Altmannsdorf.
    foto: corn

    Bruno Kreisky hat das Renner-Institut gegründet. Seit 1979 logiert es im Gartenhotel Altmannsdorf.

  • Die Politische Akademie der ÖVP, kurz Polak, werkt im "Tivoli" im ehemaligen Springer-Schlössl.
    foto: fischer

    Die Politische Akademie der ÖVP, kurz Polak, werkt im "Tivoli" im ehemaligen Springer-Schlössl.

  • Kein Haus, sondern ein Geschoß in der Theobaldgasse im 6. Bezirk fungiert als freiheitliches Bildungszentrum.
    f: fischer

    Kein Haus, sondern ein Geschoß in der Theobaldgasse im 6. Bezirk fungiert als freiheitliches Bildungszentrum.

  • Bei den Grünen nennt man sich "Werkstatt" und gibt sich auch räumlich bescheiden auf einer Ebene im 7. Bezirk.
    f.: fischer

    Bei den Grünen nennt man sich "Werkstatt" und gibt sich auch räumlich bescheiden auf einer Ebene im 7. Bezirk.

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