Geheimdienst: Attentate von Madrid hatten keinen Al-Kaida-Bezug

22. März 2006, 16:51
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Ermittler beschuldigen einheimische Extremisten

Madrid - Die Attentäter von Madrid haben offenbar nicht im Auftrag des Terrornetzwerks Al-Kaida gehandelt. Vielmehr gingen die Anschläge in mehreren Vorstadtzügen in der spanischen Hauptstadt vor zwei Jahren auf einheimische Islamisten zurück, wie die Nachrichtenagentur AP am Freitag von zwei mit den Ermittlungen vertrauten Geheimdienstbeamten erfuhr. Demnach gab es seinerzeit keine telefonischen Kontakte zwischen den Bombenlegern und der Organisation von Osama bin Laden und auch keine Geldüberweisungen.

Unterstützung der Aufständischen im Irak

Die Täter haben demzufolge zwar Verbindungen zu anderen Terrorgruppen in Europa unterhalten. Die konkreten Anschläge seien aber ausschließlich in Spanien geplant worden. In dem Land gebe es ein gut organisiertes einheimisches Netzwerk von algerischen, marokkanischen und syrischen Terrorgruppen, die sich auf Anschläge sowie die Unterstützung der Aufständischen im Irak spezialisiert hätten, erklärten die beiden Gewährsleute. Dabei handelt es sich um einen ranghohen Leiter des spanischen Geheimdienstes und einen Beamten aus einem anderen westlichen Land.

Bei den insgesamt zehn Bombenanschlägen vom 11. März 2003 kamen insgesamt 191 Menschen ums Leben, rund 1.500 wurden verletzt. Den Attentätern sind stets direkte Verbindungen zur Al-Kaida nachgesagt worden. In einem Bekenneranruf erklärte seinerzeit ein Mann, der sich Abu Dujan al-Afghani nannte, er sei der militärische Sprecher des Terrornetzwerks für Europa und zeichne für die Tat verantwortlich.

Die spanische Regierung bekräftigte am Vorabend des zweiten Jahrestags ihre Entschlossenheit, gegen den Terror einen gnadenlosen Kampf zu führen. Die Opfer der Bluttat würden niemals vergessen, betonte die stellvertretende Ministerpräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega auf der wöchentlichen Regierungspressekonferenz. Für den Samstag plant die Regierung eine feierliche Kranzniederlegung sowie die Einhaltung von fünf Schweigeminuten. Sprecher der Opfer haben bemängelt, dass die vorgesehene Gedenkfeier im kleinen Rahmen dem Ausmaß der damaligen Katastrophe nicht gerecht werde. (APA/AP)

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