Illegale Arbeitsmigration ist nicht zu stoppen

10. März 2006, 17:19
52 Postings

2005 flogen 5942 Scheinselbstständige und Pfuscher auf – Dunkelziffer bis zu 500.000

"So hoch kann man die Zäune gar nicht bauen, dass man illegale Arbeitsmigration nachhaltig stoppen kann", sagt Katerina Kratzmann. So sicher sich die Wissenschafterin am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien im Gespräch mit dem STANDARD dabei ist, so brüchig ist allerdings die Datenbasis über die Anzahl der zurzeit in Österreich befindlichen Arbeiter ohne Papiere. Je nach Untersuchung reicht die Bandbreite der Expertenschätzungen von mindestens 80.000 bis hin zu 500.000.

Die Relation dazu: Der Kiab (Kontrolleinheit gegen illegale Arbeitnehmerbeschäftigung) gingen im Vorjahr 5942 Illegale ins Netz. Immer öfter sind dies Scheinselbstständige mit ausländischen Gewerbeberechtigungen und – teilweise von Vermittlerfirmen nach Österreich geholte – Illegale aus den neuen EU-Staaten sowie aus Asien. Kratzmann stellt jedenfalls folgende Typologien der Arbeitsmigration in Österreich fest:

Arbeitspendler: Ein Großteil der von der Kiab jährlich Aufgegriffenen sind "Pendler", die in der Absicht nach Österreich kommen, Kapital zu kumulieren, um dann wieder nach Hause zu gehen. Dazu gehören mittlerweile nicht nur Rumänen, Bulgaren und Polen, sondern immer öfter auch Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien und dem asiatischen Raum.

"Overstayer": Menschen, die als Saisonarbeitskräfte oder "Touristen" ins Land kommen und wegen der ökonomischen Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern in Österreich untertauchen.

Asylwerber: In ihrem Heimatland aus politischen sowie anderen Gründen Verfolgte, die um Asyl ansuchen, um – nach Erhalt eines negativen Aufenthaltsbescheides – in Österreich zu bleiben, wo sie sich als U-Boot am Arbeitsmarkt durchschlagen.

Wanderarbeiter: Eine neuzeitliche Variante des mittelalterlichen Wanderarbeiters; dabei gehen junge Männer schwarz über alle Grenzen, um von Stadt zu Stadt zu ziehen und dort zu arbeiten, wo sie gerade einen Job ergattern können.

Die meisten Illegalen greift die Kiab bei ihren Razzien jedenfalls im Gastronomie- und Beherbergungsgewerbe, auf Baustellen und in der Landwirtschaft auf. Besonders viele werden in Niederösterreich und in der Bundeshauptstadt erwischt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.3.2006)

Share if you care.