USA: Konservative Abtreibungspolitik und die Folgen

18. März 2006, 19:44
82 Postings

In South Carolina droht einer Immigrantin, die selbst abgetrieben hatte, zwei Jahre Haft

Vor dem Hintergrund des kürzlich in South Dakota erlassenen Abtreibungsverbotes wird in den USA nun anhand mehrerer "Einzelfälle" diskutiert, welche Auswirkungen die zunehmende Anti-Abtreibungs-Stimmung in den USA auf die Reproduktionsrechte von Frauen hat.

Medikamentös induzierte Abtreibung

Einer dieser Fälle ist der von Gabriela Flores aus Pelion in South Carolina. Sie befand sich im Oktober 2004 in einer auswegslosen Situation und nahm eine Abtreibung an sich selbst vor: Die damals 22-jährige mexikanische Immigrantin verabreichte sich fünf Misoprostol Pillen, um einen Schwangerschaftsabbruch zu induzieren. Ihre Schwester hatte das Medikament aus Mexiko geschickt. Daraufhin gebar Flores einen toten Fötus.

Beschränkte Handlungsmöglichkeiten

Gabriela Flores hat drei Kinder, wovon eines mit ihr in den USA lebt. Sie sprach kein Englisch, was die Inanspruchnahme von medizinischer Hilfe erschwerte. Da Flores bereits im vierten Monat schwanger war, gab es in South Carolina keine Möglichkeit mehr, legal abzutreiben. Deshalb hätte Flores in einen anderen Bundesstaat reisen müssen, um legal abtreiben zu können. Hierfür hätte sie von der Arbeit fern bleiben müssen und riskierte ihren Job zu verlieren. Eine Abtreibung kostet in den USA ungefähr 700 Dollar: Bei einem Wochenlohn von 150 Dollar (Flores pflückte auf einer Farm Salat) kaum bezahlbar. Auch der Zeuger des Kindes verneinte jegliche Hilfe.

Restriktive Gesetzeslage

Zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 1.000 Dollar sind in South Carolina für eine illegale Abtreibung vorgesehen. Eigentlich wurde dieses Gesetz zum Schutz für Frauen gemacht, doch für Flores könnte es zum Verhängnis werden, ihr droht nun genau diese Gefängnisstrafe. Dabei hat Flores schon vier Monate im Gefängnis verbracht: Eine Bekannte hatte die Polizei informiert und behauptet, Flores hätte den Fötus lebend zur Welt gebracht. Laut einem am 1. Mai 2005 in "The State" erschienenen Artikel versuchte die Polizei daraufhin Flores des Mordes zu beschuldigen. Da nicht nachgewiesen werden konnte, ob der Fötus hätte überleben können, lautete die Anklage: illegale Abtreibung und Versäumnis, einen Leichenbeschauer zu benachrichtigen.

Öffentlichkeit schaffen

Der Fall von Gabriela Flores hat in den USA Debatten rund um reproduktive Rechte von Frauen entfacht. Auch der schlechte Zugang zu Gesundheitseinrichtungen vor allem für hispanische Frauen wird von engagierten Organisationen verstärkt kritisiert. Dabei kam der bishin kaum beachtete Fall der Afroamerikanerin Regina McKnight an die Öffentlichkeit: McKnight wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, da sie aufgrund Drogenkonsums für die Totgeburt ihres Babys verantwortlich gemacht wurde. Dieser und auch Flores Fall erregten in Anschluss an die Berichterstattung von "The State" Aufmerksamkeit: Vor allem im Internet wurde in diversen Weblogs Raum für kritische Diskussionen geschaffen.

Strukturelle Probleme

Laut dem "South Carolina Office of Court Administration" ist Flores Fall von illegaler Abtreibung der einzige im Staat, obwohl in Gerichtsprotokollen fünf ähnliche Fälle von 2000-2004 aufscheinen. Silvia Henriquez, Direktorin des "National Latina Institute for Reproductive Health" (NLIRH), bezeichnet Sprache und Armut als Barrieren für hispanische Frauen, legale Abtreibungen durchzuführen. Konservative Abtreibungsgesetze werden vor diesem Hintergrund zu unüberwindbaren Barrieren. (red)

Link
NLIRH
Share if you care.