Lotto-Gelder für Zaha Hadid?

17. März 2006, 12:00
posten

Neuem Zentrum für zeitgenössische Kunst in Rom droht wegen Geldmangels Baustopp - Ex-Kulturministerin präsentiert ungewöhnlichen Vorschlag

Rom - Finanzierungsprobleme gefährden das neue Zentrum für zeitgenössische Kunst in Rom, das die aus dem Irak stammende und auch in Wien lehrende Architektin Zaha Hadid (54) geplant hat. Knapp ein Viertel des Museums, dessen Bau im März 2003 begonnen wurde, sei bereits fertig gestellt, so die Mailänder Tageszeitung "Repubblica" am Freitag. Die von der Regierung Berlusconi beschlossenen Kürzungen im Kulturbereich gefährden aber das Projekt, ein Baustopp droht. Daher fordert Ex-Kulturministerin Giovanna Melandri, dass 15 Millionen Euro der Lottoeinnahmen für die Vollendung des Projekts verwendet werden.

Warnung und Kritik

"Seit fünf Jahren kürzt die Regierung Berlusconi die Finanzierungen, die wir 1999 für den Bau des Museums zur Verfügung gestellt hatten. Die Arbeiten müssen absolut fortgesetzt werden. Die Bauarbeiten stagnieren, und die bereits errichteten Strukturen drohen zu verrosten. So fügt man dem System der zeitgenossischen Kunst einen enormen Schaden zu", kommentierte Melandri.

"Nur 25 Prozent des Museums wurden vollendet. Wenn man mit diesem Tempo weiterarbeitet, wird es noch weitere 20 Jahre dauern", betonte Melandri. Kulturminister Rocco Buttiglione erklärte sich daran interessiert, das Museum mit Lottoeinnahmen zu finanzieren. Einen definitiven Beschluss müsse jedoch Infrastrukturminister Pietro Lunardi treffen.

Hadid-Protest

Bisher wurden 22 Millionen Euro für das Museum ausgegeben, notwendig sind mindestens weitere 60 Millionen Euro. Sollte das Geld aufgetrieben werden, würde das Kulturzentrum Ende 2007, zwei Jahre nach dem vereinbarten Termin, eröffnet werden.

Architektin Hadid protestierte kürzlich wegen der finanziellen Schwierigkeiten. Sie wies darauf hin, dass in Wolfsburg bereits vor neun Monaten das ebenfalls von ihr geplante Phaeno Science Center eingeweiht worden sei, ein Kunstzentrum, das in den Grundlinien dem Kulturzentrum in Rom ähnlich sei. Die Bauarbeiten in Wolfsburg hatten gleichzeitig mit jene im Zentrum Roms im Frühjahr 2003 begonnen.

Das Zentrum und die Idee dahinter

Hadids neues Museum soll zu einer Belebung des kulturellen Angebots in Rom beitragen. Das Ausstellungsgelände für die Kunst des 21. Jahrhunderts, auch MAX-XI genannt, wird an Stelle einer ehemaligen Kaserne im nördlichen Teil von Rom errichtet. 80 Personen arbeiten am Projekt. Die gesamte Zone rund um das von Renzo Piano errichtete Musikauditorium soll in den nächsten Jahren zum Kultur- und Freizeitpark verwandelt werden.

"Der MAX-XI soll in den Besuchern die Freude am Museumsbesuch wecken. Wir wollen zugleich auch auf Schönheit und Komfort setzen", betonte die Architektin. Sie wolle der Stadt Rom kein einfaches Museum, sondern auch ein Gelände bieten, auf dem Künstler und Architekten ihre Kreativität auf einer 26.000 Quadratmeter großen Fläche zur Schau stellen können. "Ein raffiniertes Spiel aus Stahlbeton, Glas und Metall", beschrieb Hadid ihr Museum. Internationale Gegenwartskunst habe bisher kein Haus in der italienischen Hauptstadt. Der Auftrag für den Museumsbau war erstmals in Zusammenarbeit von zwei Ministerien - Bau und Kultur - vergeben worden. (APA)

Share if you care.