Konkursklage gegen Yukos eingereicht

27. März 2006, 15:46
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Gläubigerbanken wollen von dem bereits zerschlagenen russischen Ölkonzern Geld sehen

Moskau - Ein Konsortium von 14 Gläubigerbanken hat eine Konkursklage gegen den inzwischen zerschlagenen Ölkonzern Yukos eingereicht. Dies berichtete die Moskauer Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. Ein Moskauer Gericht habe den Antrag zur Anhörung des Falls akzeptiert, hieß es weiter.

Die 14 Banken - darunter Société Generale, Deutsche Bank, Citigroup, ING, BNP Paribas und Commerzbank - fordern insgesamt 482 Millionen Dollar. Es handelt sich dabei laut Reuters um einen Kredit von einer Milliarde Dollar für die Tochter Juganskneftegas vom Herbst 2003. Eine Yukos-Sprecherin sagte gegenüber Reuters, man sei über diesen Schritt sehr überrascht.

Banken prozessieren seit Mitte 2005

Der russische Staat hat seit 2004 von dem Konzern, der früher dem Oligarchen Michail Chodorkowski gehörte, Steuern und Strafen von mehr als 20 Mrd. Euro nachgefordert und ihn damit faktisch zerschlagen. Die meisten Yukos-Aktien sind beschlagnahmt.

Die Banken prozessieren seit Mitte 2005 in London und Moskau um die Restsumme von 482 Mio. Dollar. Bei einer Yukos-Insolvenz würden nach Einschätzung von Analysten zunächst die russischen Gläubiger, darunter der Staat und Rosneft, zum Zug kommen.

Politisch motiviertes Verfahren

Yukos war einst der größte Ölproduzent Russland. Chodorkowski wurde im Vorjahr wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt. Viele Beobachter hatten von einem politisch motivierten Verfahren gesprochen.

Aus Angst vor Verhaftung in Russland hat der Yukos-Vorstand um den Amerikaner Steven Theede in den vergangenen Monaten die Restfirma von London aus gelenkt. In den vergangenen Tagen begann sich jedoch der ranghöchste verbliebene Manager, Raffinerie-Chef Anatoli Nasarow, den Anordnungen aus London zu widersetzen.

Rosneft übe immer mehr Druck auf die Yukos-Manager in Moskau aus und werde dabei von der Generalstaatsanwaltschaft unterstützt, sagte der frühere Yukos-Vizepräsident Alexander Temerko der Zeitung "Moscow Times". Seit einigen Wochen hat die Justiz wieder verstärkt Yukos-Mitarbeiter zu Vernehmungen vorgeladen. (APA/AP/Reuters)

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