MAN streicht Stellen in Steyr

27. März 2006, 15:45
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Modellwechsel beim einzigen LKW-Hersteller des Landes wird Arbeitsplätze in Oberösterreich kosten - Großer UK-Militärauftrag bringt mehr Geschäft für Wien

Wien - Die MAN Nutzfahrzeuge Österreich muss im laufenden Jahr seine Produktion bei leichten und mittleren Modellen umstellen und wird deswegen Jobs in noch nicht definiertem Umfang streichen müssen. Gleichzeitig laufen in Wien, dem Standort für die Sonderfahrzeuge, die Vorbereitungen für den im Vorjahr errungenen Großauftrag, der sich in den nächsten Monaten noch vergrößern dürfte, so Bruno Krainz, Chef der MAN-Nutzfahrzeuge in Österreich.

"Wie stark der Personalüberhang in Steyr ist, hängt im Wesentlichen davon ab, wie gut die Marktresonanz auf unsere neuen Fahrzeuge ist", sagte Krainz am Freitag. In Steyr stellt gerade seine Produktion von der alten LE/ME-2000-Reihe auf die hochmodernen TGL/TGM-Trucks um. Derzeit werden die alte und die neue Reihe gleichzeitig gebaut, nach dem Auslaufen von LE/ME werden weniger Leute gebraucht. "Es ist nicht angenehm, Jobs abbauen zu müssen, Modellwechsel sind in unserer Branche aber was ganz Normales." Krainz kann oder will den Kürzungsbedarf derzeit auch nicht annäherungsweise beziffern.

Bestellung von 5.400 Militärtrucks

Am Standort im Süden Wiens, bei den früheren MAN Sonderfahrzeugen, laufen dagegen derzeit die Vorbereitungen für einen im Vorjahr ergatterten riesigen Auftrag des britischen Verteidigungsministeriums. Bestellt wurden bisher 5.400 Militärtrucks, die rund 750 Millionen Euro Auftragsvolumen in Österreich bringen werden. Krainz gibt sich optimistisch, dass die Briten in diesem Frühjahr die Option auf weitere 2.200 solcher Fahrzeuge ausüben. Das britische Militär sei ein "Referenzkunde" und ein "Türöffner", man verhandle mittlerweile auch mit dem kanadischen und dem australischen Militär, sagte Krainz.

Die ersten Prototypen seien bereits hergestellt und würden nun getestet. Ende 2006 soll die Serienproduktion beginnen, im nächsten Jahr sollen 1.000 Fahrzeuge vom Band laufen. Der (bisherige) Auftrag läuft bis 2013 und soll 200 bis 300 zusätzliche Jobs in Wien bringen. 2005 waren an die 700 Mitarbeiter in Wien und 2.300 in Steyr angestellt.

Geschäftszahlen im April

Für das heurige Jahr rechnet MAN Nutz mit einer leichten Produktionssteigerung auf 20.500 Lkw (Steyr) und 3.600 bis 3.700 in Wien. Genauere Geschäftszahlen über das vergangene Jahr soll es erst im April - nach der Hauptversammlung - geben.

Der Militärauftrag sichert dem Standort Wien in den nächsten Jahren eine "kontinuierliche Entwicklung nach oben", während Steyr vor Anzahl der Beschäftigten in den nächsten drei, vier Jahren eher stagnieren wird, glaubt Krainz. Steyr, wo heute noch viele unterschiedliche Produkte hergestellt werden, werde sich wie Wien stärker spezialisieren müssen.

Angesichts einer jährlichen Produktivitätssteigerung von fünf Prozent und einer geringeren Fertigungstiefe ist freilich kaum mit einem substanziellen Mitarbeiterwachstum zu rechnen. 1995 sind laut Krainz in Steyr 5.600 Lkw mit 2.000 Mitarbeitern gefertigt worden. Zehn Jahre später produzierten 2.300 Beschäftigte die dreifache Menge an Nutzfahrzeugen. (APA)

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    Krainz: "Wie stark der Personalüberhang in Steyr ist, hängt im Wesentlichen davon ab, wie gut die Marktresonanz auf unsere neuen Fahrzeuge ist."

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