In Wien bauen Frauen

10. März 2006, 13:09
9 Postings

Immer mehr Großprojekte im Wohnbau werden von Architektinnen betreut

Wien - Im Wohnbau sind immer mehr Frauen beschäftigt. Darauf verwiesen am Freitag die Frauenstadträtin Sonja Wehsely und Wohnbaustadtrat Werner Faymann in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Rund 1.000 der jährlich 5.500 neu errichteten Wohnungen werden von Architektinnen geplant.

In allen Bereichen tätig

"Sie planen neben Wohnbauprojekten natürlich auch öffentliche Gebäude, Lokale, Museen und vieles mehr. Sie bekleiden wesentliche Führungspositionen, sei es bei Wiener Wohnen, im Wohnfonds Wien, als Mitglieder des Grundstücksbeirats und als Jurymitglieder bei den Bauträgerwettbewerben", erklärte Wehsely.

Wien wendet heuer für den Neubau erneut rund 260 Millionen Euro auf. Bei der Umsetzung dieses Investitionsvolumens gezielt Architektinnen mit ihren Projekten einzubinden, habe zu deutlichen Erfolgen geführt. "In den letzten Jahren sind so 45 Projekte mit insgesamt 4.500 Wohnungen von Frauen geplant worden", so der Wohnbaustadtrat weiter.

Traditionell männerlastig

Was heute eine Selbstverständlichkeit sei, musste aber erst erkämpft werden: In einem traditionell von Männern dominierten Berufsfeld brauchten die Frauen lange, bis sie anerkannt wurden. Erst 1919 konnte die erste Frau ein Diplom für Architektur erwerben.

Margarethe Schütte-Lihotzky war eine Pionierin der damaligen Zeit und Wegbereiterin für die heutigen Architektinnen. Aus ihren sozialen Grundsätzen heraus entwickelte sie für die damalige Zeit völlig neue Konzepte zur Lösung der Wohnprobleme von einkommensschwachen Bevölkerungsschichten und der berufstätigen Frauen, Grundsätze, die den sozialen Wohnbau bis heute nachhaltig beeinflussen. Ella Briggs-Baumfeld war die einzige Frau, die in den 1920er Jahren einen kommunalen Wohnbau (Pestalozzihof, 19., Philippovichgasse 2-4) realisieren konnte.

Themenbauten

Die Bandbreite der im Wiener Wohnbau realisierten Baukonzepte wurde mit Beginn der 90iger Jahre um die Konzeption "Themenbauten" erweitert. Einige dieser wurden ausschließlich von Frauen geplant. Dazu zählen etwa die "Frauen Werk Stadt I( E. Prohazka, G.Podreka,L. Peretti, F. Ullmann), bei der etwa spezielles Augenmerk auf die Alltagstauglichkeit des Wohnbaus gerichtet wurde. Aufgrund der positiven Resonanz kam es Ende der 90iger Jahre zur Realisierung der Frauen Werk Stadt II(Büro Ifsits,Ganahl,Larch/ C. Zwingl), deren Grundlage um den Aspekt des altersgerechten Wohnen angereichert wurde. Auch die Projekte "Autofreie Stadt"(C.Schindler) und die " Compact City" (BUS architektur L. Spinadel ) sowie die Thermensiedlung Oberlaa ( E.Delugan- Meissl) wurden maßgeblich von Frauen gestaltet.

Ausbildung

In Wien gibt es insgesamt 811 Architekten und Architektinnen mit Befugnis, davon sind es derzeit 104 mit Befugnis ausgestattete Architektinnen. Wien bietet neben den vielfältigsten und lukrativsten Bauaufgaben auch die variabelsten Möglichkeiten einer Architektinnenausbildung. Neben der Technischen Universität Wien sind die Universität für angewandte Kunst und die Akademie der bildenden Künste die anerkannten Schulen.

Das Verhältnis von weiblichen und männlichen ArchitekturstudentInnen wird in Zukunft annähernd ausgeglichen sein. Auch bei der Zahl der AbsolventInnen wird der Unterschied immer geringer. (red)

Share if you care.