Debatte um Installierung eines ORF-Generalsekretärs

16. März 2006, 13:42
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Laut Stiftungsrat Bergmann "äußerst sinnvoll" - Von 1967 bis 1998 gelebte Praxis - Spekulationen um Kandidaten begonnen

Für die Installierung eines ORF-Generalsekretärs spricht sich nun auch ORF-Stiftungsrat Kurt Bergmann aus. Der Leiter des VP-"Freundeskreises" im obersten Aufsichtsgremium des öffentlich-rechtlichen Senders hält eine solche Funktion, die es von 1967 bis 1998 im ORF gab und die dann vom damaligen ORF-General Gerhard Weis abgeschafft wurde, für "äußerst sinnvoll", wie er im Gespräch mit der APA erklärte. Zuvor hatte sich bereits ORF-Zentralbetriebsratsobmann Heinz Fiedler für die Wiederbelebung des ORF-Generalsekretärs ausgesprochen.

"Unmittelbarster Mitarbeiter des Generaldirektors"

Die Frage "Generalsekretär ja oder nein?" sei primär eine Frage der Geschäftsführung, handle es sich doch um den "unmittelbarsten Mitarbeiter des Generaldirektors", so Bergmann. "Den Generalsekretär kann und soll er sich selbst aussuchen." Da die Rundfunkreform 2001 aber "mehr Kompetenzen und ein breiteres Weisungsrecht für den Generaldirektor" gebracht habe, sei ein "künftiger Generaldirektor gut beraten, sich einen Generalsekretär zu nehmen", so Bergmann, der von 1990 bis 1994 selbst diese Funktion bekleidete.

Generalsekretäre gab es im ORF von 1967 bis 1998. Den Anfang machte der spätere ÖVP-Mediensprecher Heribert Steinbauer, der von ORF-General Gerd Bacher auf den Küniglberg geholt wurde. 1970 folgte der spätere niederösterreichische Landesintendant Paul Twaroch. Nach der von Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) initiierten Rundfunkreform von 1975 und dem daraus resultierenden Wechsel zu Otto Oberhammer an der ORF-Spitze wurde 1977 der spätere SPÖ-Zentralsekretär Heinrich Keller in der Position installiert. Nach Gerd Bachers triumphaler Rückkehr auf den "Berg" wurde 1979 Peter Radel, später Kaufmännischer Direktor des ORF, Generalsekretär.

"Innenminister des ORF"

Im November 1986 wurde Gerhard Zeiler von Generalintendant Teddy Podgorski als Generalsekretär geholt. Zeiler wechselte direkt aus dem Kanzleramt in den ORF. Am Ballhausplatz war der heutige RTL-Chef als Pressesprecher der Bundeskanzler Fred Sinowatz und Franz Vranitzky (beide SPÖ) tätig. 1990 kehrte "Tiger" Bacher ein letztes Mal als ORF-Chef wieder und engagierte Kurt Bergmann. Als 1994 dann Zeiler zum ORF-Chef gewählt wurde, hatte dieser Andreas Rudas im Gepäck. Rudas, zuvor im SPÖ-Zentralsekretariat und als Pressesprecher von Innenminister Karl Blecha (SPÖ) aktiv, blieb bis 1997 ORF-Generalsekretär und kehrte dann wieder in die Politik zurück. Vom SPÖ-Vorsitzenden Vranitzky wurde er in Kooperation mit dem gerade designierten neuen Vorsitzenden und Kanzler Viktor Klima zum SPÖ-Bundesgeschäftsführer bestellt.

Zeiler ernannte daraufhin ORF-Hörfunkchef Gerhard Weis zum Generalsekretär. Weis blieb Hörfunkchef. Als Weis 1998 selbst ORF-Chef wurde, besetzte er den Posten des Generalsekretärs nicht nach. "Die Hackn hab i an zwei Nachmittagen nebenbei gemacht", so ein überliefertes Weis-Zitat. Weis wehrte sich auch gegen eine Installierung. Sollte ihm die schwarz-blaue Regierung einen Generalsekretär - "mit dem Auftrag, eine politische Linie hineinzubringen" - aufzwingen, würde er sofort seinen Hut nehmen, meinte er im Frühjahr 2001, einige Monate vor seiner Abwahl.

Gerhard Zeiler sah im Generalsekretär einen "Innenminister des ORF", der sich vor allem um die Aufgabengebiete Unternehmensstrategie und Kommunikation nach Innen zu kümmern habe. Die Generalsekretäre des ORF traten in der Geschichte des Küniglberg aber auch als "Außenminister" auf. Sie hielten Kontakt zu Medien, noch mehr zur Politik, in Anlehnung an die Fußballer-Sprache wurden sie auch als "Links-" oder "Rechts-Verbinder" tituliert. Durchsetzungsvermögen und Kommunikationsgeschick wurden von den Trägern des Amtes verlangt.

Die beginnende Debatte um den ORF-Generalsekretär führt unterdessen im und um den ORF auch zu ersten Spekulationen. Als mögliche Kandidaten für den ORF-Generalsekretär unter einer Generaldirektorin Monika Lindner werden etwa Heidi Glück, Pressesprecherin von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP), oder die frühere ORF-Marketingchefin und Geschäftsführerin der ORF-Enterprise, Sissy Mayerhoffer, kolportiert. Mayerhoffer ist derzeit Geschäftsführerin beim News-Verlag, bis zum Jahr 2000 war sie ÖVP-Gemeinderätin im niederösterreichischen Perchtoldsdorf. Von BZÖ-Seite wurde zuletzt Karl-Heinz Petritz, langjährige Pressesprecher und Intimus von Jörg Haider, ins Spiel gebracht. Petritz ist in heimischen Redaktionen vor allem wegen seiner wenig subtilen Interventionen bekannt. Aus dem ORF selbst gilt Chef-Administrator Wolfgang Buchner als für den Generalsekretär geeignet, heißt es. (APA)

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