Kollege Roboter kommt sofort - RFID wird serienfähig

21. März 2006, 12:01
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Grundlegender Wandel in der Informationstechnologie zu erwarten

Hier werden Hausfrauenträume wahr: Ob Teppichboden, Laminat oder Keramikfliesen - ein Reinigungsroboter putzt am Stand des Teppichherstellers Vorwerk auf der Computermesse CeBIT. Mehr als 75 Jahre nachdem das Familienunternehmen mit dem Handstaubsauger Kobold die Welt der Gebäudereinigung revolutionierte, liefert Vorwerk das "Navigationssystem" für einen neuen Kobold - den Service-Roboter der Ulmer InMach Intelligente Maschinen GmbH.

70 Kilo

Mit rund 65 cm Durchmesser, einer Höhe von 70 cm und - mit Reinigungsflüssigkeit betankt - einem Gewicht von 70 Kilo ist das Gerät für größere Haushalte gedacht. Anders als die von japanischen Herstellern entwickelten Haushaltsroboter für Technikliebhaber soll dieser Putzroboter auch in Unternehmen oder Krankenhäusern eingesetzt werden. Die Grundlage dafür bildet der "smart floor" von Vorwerk. Er besteht aus einem Polyestergewebe, in das ein Netz aus RFID-Chips (Radio Frequency Identification) integriert ist, und kann unter nahezu allen Bodenbelägen installiert werden.

Hauchdünne Folie

Die von Infineon speziell für den "smart floor" konstruierten RFID-Chips bestehen aus einer hauchdünnen PET-Folie, die mit Leiterbahnen aus Metall, einer Antennenspule und einem winzigen Silizium-Mikrochip versehen ist. Jeder Chip verfügt über eine eigene Kennung, die mit Hilfe von drahtloser Datenübertragung auf zehn Zentimeter Entfernung vom Lesegerät des Roboters erkannt werden kann.

Anhand der auf den Chips gespeicherten Informationen kann sich der Roboter auf der Bodenfläche orientieren. Er verknüpft die einzelnen "Signalgeber" zu einer virtuellen Landkarte und wertet aus, welche Bereiche bereits bearbeitet wurden. Dank RFID kann das Gerät auch Kollisionen und Treppenabstürze vermeiden. Ab Herbst soll es in Serie gehen.

RFID ist eine Technologie, die bisher in der Öffentlichkeit vor allem als Nachfolger des herkömmlichen Strichcodes im Einzelhandel und in der Logistik wahrgenommen wird. Auf der CeBIT zeigt die Metro AG so eine Lösung. Experten erwarten aber, dass RFID auch zu einem grundlegenden Wandel in der Informationstechnologie führen wird. "Bisher hatten wir es in der IT mit Daten zu tun. Jetzt handhaben wir plötzlich Gegenstände", sagte Herbert Kirchner, Geschäftsführer der IBM Deutschland Entwicklung GmbH.

Mittlerweile sind alle deutschen Schwergewichte - Infineon, SAP und Siemens - in Sachen RFID aktiv. Handyproduzenten wie Nokia bieten RFID-Lesegeräte für Handys an. Aber auch zahlreiche kleine deutsche Unternehmen wie InMach sind ganz vorne mit dabei. Bis die Auswirkungen für jeden einzelnen sichtbar werden, ob in der Freizeit oder am Arbeitsplatz, kann es allerdings noch eine ganze Weile dauern.

"Das Hauptproblem ist, dass die Preise für die RFID-Tags noch zu hoch sind", sagt Lupus-alpha-Fondsmanager Karl Fickel. Derzeit kosteten die Tags aus den modernsten Anlagen vier bis fünf Cent. "Das ist immer noch zu viel, um sie auf einem Deostift anzubringen, der 99 Cent kostet. Die Schallgrenze liegt bei einem Cent. Dann werden die Chips überall sein." Und die Preise werden mit den steigenden Produktionsmengen zwangsläufig sinken. "Im vergangenen Jahr wurden mehr als eine Milliarde RFID-Chips produziert", sagte Kirchner. "In fünf Jahren werden es mehr als 33 Milliarden sein. Dann sinken auch die Kosten."

"Seit dem Internet-Boom legen wir eine hohe Messlatte an, wenn es um die Bewertung des Erfolgs einer Technologie geht"

"Seit dem Internet-Boom legen wir eine hohe Messlatte an, wenn es um die Bewertung des Erfolgs einer Technologie geht", sagt Ellen Daley, Research Director bei Forrester Research. "Vielleicht wird RFID kein so großer Erfolg wie der Internet-Server. So etwas gibt es in jeder Generation aber auch nur einmal."

"Von den ersten Ideen bis zur flächendeckenden Einführung des Barcode hat es 15 Jahre gedauert", gibt Martin Haas, Consulting Director beim Marktforscher IDC, zu bedenken. "Die Anfänge der kommerziellen Nutzung von RFID zur Kennzeichnung von Produkten - wie sie zumindest in den letzten zwei Jahren hitzig diskutiert werden - gehen auf die Gründung des AutoID Centers im Jahr 1999 zurück. Einige Jahre des Weges sind also - in der öffentlichen Diskussion weitgehend unberücksichtigt - bereits beschritten."(dpa)

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