"Man muss die Wahrheit ans Licht bringen"

13. März 2006, 17:08
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Berlusconi in Spionage-Affäre unter Zugzwang - Gesundheitsminister Storace erklärt sich zum Opfer eines Komplotts: "Man will mich ruinieren"

Rom - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat den Einsatz seines Kabinetts zur Klärung einer politischen Spionageaffäre versprochen, in die Gesundheitsminister Francesco Storace geraten ist. Der Minister wird beschuldigt, einige Privatdetektive beauftragt zu haben, während der Wahlkampagne für die Regionalwahlen im Frühjahr 2005 die Telefongespräche der Chefin der rechtsextremen Partei "Alternativa Sociale", Alessandra Mussolini, abzuhören, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Donnerstag. "Man muss die Wahrheit ans Licht bringen", betonte Berlusconi.

Die Privatdetektive sollen in Storaces Auftrag auch die Telefonate seines Gegners im Kampf um die Führung der Region Latium, Piero Marrazzo, aufgenommen zu haben. Storace hatte den Wahlkampf verloren und war kurz darauf der Regierung Berlusconi als Gesundheitsminister beigetreten. Neben den elf Privatdetektiven wurden auch drei Polizisten und zwei Angestellte der italienischen Mobilfunkgesellschaft TIM festgenommen. Sie sollen Schmiergelder gegen geheime Informationen vergeben haben. Den TIM-Angestellten sei es zusätzlich gelungen, Geheiminformationen aus der Datenbank der Polizei zu entnehmen.

"Man will mich ruinieren"

Storace, Spitzenpolitiker der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale (AN) und Vertrauensmann von Außenminister Gianfranco Fini, erklärte sich zum Opfer eines Komplotts. "Man will mich wenige Wochen vor den Parlamentswahlen politisch ruinieren. Ich lasse mich aber von diesen Lügengeschichten nicht einschüchtern", meinte Storace.

Der Skandal löste Wellen des Protests aus. Die oppositionelle Mitte-Links-Allianz forderte den Rücktritt Storaces. "Storace hat die Pflicht, die ganze Wahrheit zu sagen", sagte der Spitzenpolitiker der Opposition, Francesco Rutelli. Auch Mussolini forderte von Storace Erklärungen über sein Verhalten. Oppositionspolitiker Antonio Di Pietro rief Berlusconi auf, vor dem Parlament über den Skandal zu berichten. (APA)

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