Neuer Wettskandal in Deutschland

12. März 2006, 14:28
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DFB bestätigt Ermittlungen - In zweiter Liga soll manipuliert worden sein

Frankfurt/Main - Drei Monate vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft und ein Jahr nach der Schiedsrichter-Bestechungsaffäre um Ex-Referee Robert Hoyzer wird der deutsche Fußball von einem neuen Wettskandal erschüttert. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main am Freitag bestätigte, führt sie seit Wochen gemeinsam mit dem hessischen Landeskriminalamt ein Ermittlungsverfahren gegen eine Gruppe von Personen wegen bandenmäßigen Betrugs.

Sie habe versucht, Ergebnisse von insgesamt fünf Spielen der zweiten Bundesliga und der Regionalliga zu manipulieren. Gegen vier Beteiligte wurde Haftbefehl erlassen. In den Skandal verstrickt sein sollen unter anderen Zweitligist Sportfreunde Siegen und der hessische Regionalligaclub 1. FC Eschborn.

Ausgelöst wurde die neuerliche Affäre durch eine Selbstanzeige des 1. FC Eschborn beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), der den Fall der Frankfurter Staatsanwaltschaft meldete. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger kündigte eine "saubere Aufklärung" an. Zwanziger zeigte sich jedoch erleichtert, dass in dem Fall offensichtlich keine Schiedsrichter verwickelt sind. Zudem habe er bei weitem nicht die Größenordnung wie der Skandal um Hoyzer. Laut DFB-Pressechef Harald Stenger "kann auch davon ausgegangen werden, dass es in der ersten Bundesliga keine Manipulationsversuche gab".

"Mit der Dimension des Falles Hoyzer ist dies nicht zu vergleichen, aber wir nehmen die Sache sehr ernst. Alle sollen entsprechend bestraft werden, denn sie gehören nicht zu uns", sagte der DFB-Präsident am Freitag. Zwanziger befürchtet aber keinen größeren Imageschaden für die WM: "Wenn wir sauber aufklären, werden die Vorbereitungen auf die WM nicht nachhaltig beschädigt." Zwanziger betonte: "Überall wo Menschen sind und Geld im Spiel ist, kann es Korruption geben".

Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sind Spielern für erwünschte Ergebnisse mehrere tausend Euro versprochen worden. In mindestens einem Fall habe ein Spieler das Geld angenommen. Um die noch am Anfang stehenden Ermittlungen nicht zu gefährden, will die Staatsanwaltschaft vorerst keine Namen der Beschuldigten nennen. Bei einer Pressekonferenz am Freitag wollte Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel auch nicht bestätigen, dass der Torwart des Regionalligisten Sportfreunde Siegen, Adnan Masic, in den Fall verwickelt ist.

Laut Siegens Vorstandsmitglied Holger Rathke haben jedoch zwei Fahnder des hessischen Landeskriminalamts am Donnerstagabend auf der Geschäftsstelle des Zweitligisten ihre Ermittlungen aufgenommen. Der 30-jährige Bosnier Masic soll sich vor dem am 26. Februar ausgetragenen Spiel Hansa Rostock - Siegen (2:0) mit mutmaßlichen Drahtziehern der Affäre getroffen haben. "Masic hat uns gegenüber bestätigt, dass er einen der vier Beteiligten kennt. Das hat er den Ermittlern bei seiner Vernehmung durch das LKA am Freitag auch mitgeteilt", sagte Rathke, der vorerst keine Konsequenzen ziehen will. Rathke: "Masic hat uns gegenüber seine Unschuld beteuert und bleibt deshalb bis auf weiteres unser Torhüter."

Eschborns Pressesprecher Ralf Kissau erklärte zur Selbstanzeige des Vereins: "Wir haben auf einen Manipulationsversuch sofort reagiert und den DFB informiert." Nach Informationen eines hessischen Privatsenders wollten zwei Wettbetrüger einen Eschborner Abwehrspieler zwingen, das Heimspiel gegen den FC Augsburg am 26. November 2005 zu manipulieren. Sie sollen dem Verteidiger bis zu 40.000 Euro geboten haben, wenn er im Spiel dafür sorge, dass Augsburg klar gewinnt. Sie hätten im Ausland hohe Wetten abgeschlossen. Die fragliche Begegnung hat bisher nicht stattgefunden, da sie wegen der schlechten Witterung schon zwei Mal abgesagt werden musste. (APA/dpa)

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