Racino: Zum Wiehern ist das sicher nicht

27. März 2006, 15:45
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Frank Stronachs Pferderennbahn in Ebreichsdorf schreibt rote Zahlen - Die Boxen stehen halb leer, über die Wettumsätze wird geschwiegen

Wien - Okay, Ebreichsdorf liegt nicht in Florida. Schon deshalb lässt sich das Racino, Frank Stronachs Pferderennbahn der neuen Art, nicht ganz mit seiner Rennbahn der neuesten Art, Gulfstream Park nördlich von Miami, vergleichen. Gut. Wären die Ergebnisse in Florida ähnlich denen im Racino, wäre wohl die ganze Firma in Troubles.

Hat man es doch in Ebreichsdorf im Vorjahr geschafft, bei 12,8 Millionen Dollar Umsatz 19,5 Millionen Verlust zu machen. Kleiner Trost: 1,5 Millionen weniger als 2004 bei 7,4 Millionen Umsatz. Mit zwei Prozent des Konzernumsatzes wurden zwei Drittel des Gesamtverlustes von 29,3 Millionen Dollar (v)erwirtschaftet. Kaum verwunderlich, sollte Frank Stronach der Appetit auf weitere Sportinvestitionen wie etwa das Stadion in Rothneusiedl vergehen. Noch dazu, wo das ohnehin sehr knappe Geld in der Magna Entertainment (MEC) für dringendere Dinge wie Rennbahnausbau und Anschaffung von 1500 Spielautomaten in Florida sowie Schuldentilgung benötigt wird.

Andere Rennbahnen auf der Verkaufsliste

Dafür werden andere Rennbahnen bereits wieder verkauft. Der Golfplatz in Oberwaltersdorf steht ebenfalls auf der Liste. Und MEC-Vorstand Tim Hodgson erwähnt das Racino nicht unter den Hauptbahnen, die keinesfalls auf der Verkaufsliste stehen. Allerdings soll die Wettbasis in Europa ausgebaut werden. Was bei der derzeit schwierigen Situation für Pferdewetten sicher nicht zu den leichten Aufgaben zählt. Das alles soll zumindest laut Österreich-Manager Herbert Ripel den Rennbetrieb in Ebreichsdorf, der am Sonntag wieder beginnt, nicht beeinträchtigen. Mangel an Rennpferden sollte kaum herrschen, obzwar von den 600 Boxen nur 300 besetzt sind.

Zu hohe Kosten

Die 129 stationierten Galopper (im Vorjahr noch 174) werden durch ein Kontingent aus der alten Freudenau und sonstigen Trainingsorten ergänzt. Schließlich mögen nicht alle Pferde die obligate konzerneigene Einstreu "Streufix" in ihren Boxen, sie sollen teilweise sogar allergisch reagieren. Was aber auch als Ausrede dafür gelten könnte, dass den Trainern und Besitzern die Kosten in Ebreichsdorf einfach zu hoch sind. Höhepunkte werden wieder das Galopperderby um 150.000 € am 18. Juni und der Racino Grand Prix der Traber um 100.000 € am 1. Oktober sein. An Rennpreisen will man 2,5 Millionen € zahlen.

Über die Wettumsätze, die auf allen anderen MEC-Rennbahnen detailliert veröffentlicht werden und die normalerweise als Basis der Rennpreise gelten, hüllt sich Ripel in beredtes Schweigen. Aus vergleichbaren Jackpots lässt sich aber schließen, dass sie weit unter den Umsätzen der alten Rennbahnen Krieau und Baden liegen. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2006)

  • Im Vorjahr hat man es in Ebreichsdorf geschafft, bei 12,8 Millionen Dollar Umsatz 19,5 Millionen Verlust zu machen.
    foto: racino/pr

    Im Vorjahr hat man es in Ebreichsdorf geschafft, bei 12,8 Millionen Dollar Umsatz 19,5 Millionen Verlust zu machen.

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