Der Tod steht ihm gut

28. März 2006, 14:01
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Verdis "Un ballo in maschera" und Bellinis "I puritani" an der Wiener Staatsoper

Wien - Ja, der Maskenball, da ist er wieder: Üppig quillt dem Besucherauge Form und Farbe aller Art, ist gleich: Dekoration entgegen, die Choristen tragen Rokoko gleich kiloweise, mintgrün und zuckerlrosa berüscht und verzopft.

Als wollte Miguel Gomez-Martinez einen akustischen Kontrapunkt zur optischen Jeannine-Schillerigkeit der (20 Jahre alten) Inszenierung Gianfranco de Bosios setzen, lässt er das Orchester zur Verdi-Wiederaufnahme einen delikaten, straff geführten Un ballo in maschera tanzen - mit hitzigen und dramatischen Einlagen, wenn nötig. Am Ende des Tanzvergnügens wartet der Tod, doch davor wird geliebt, gelitten, gewahrsagt und gescherzt. Für Letzteres ist am Hof König Gustafs III. von Schweden der Page Oscar zuständig: Bori Keszei singt ihn mit kecker, aber etwas matter Wendigkeit. Die Zukunftsschau hat Madame Ulrica Arvedson zu besorgen: Erschrocken liest Nadia Krasteva aus des Königs Hand von dessen nahem Ende, glühend-gurrend tut sie es ihm kund.

Des Königs besten Freund, der sich - durch einen Riesenirrtum! - in dessen bösen Feind verwandelt, gibt Georg Tichy: Vor allem im ersten Bild des 3. Akts läuft er zu gewinnender Intensität auf; davor und danach will sein Graf René eine gewisse beislwirthafte Gewöhnlichkeit nicht verlieren. Giuseppe Sabbatini, der von Tichy Gemordete, ist mit jeder Geste und jedem Ton ein Souverän.

Mit der fantastischen Norma Fantini (als Amelia) liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Singen in Sachen Professionalität, Intensität und Nuancenreichtum der Gestaltung - welches Sabbatini dank seines virtuos veristischen Versterbens mit dem letzten Atemzug gewinnt. Toll!

Toll hatte Elena Mosuc zu werden - als (Edita Gruberova ersetzende) Elvira in Vincenzo Bellinis I puritani. Die höhensichere Mosuc wurde es auf eine bodenständige Art und Weise, wie auch die Vorstellung aufgrund der automatenhaft um die Gunst der psychisch Labilen ring-/singenden Joseph Calleja (als Arturo) und Franco Vassallo (als Sir Riccardo) nie wirklich abheben wollte.

Janusz Monarcha (als Lord Valton) war da etwas flexibler; Dirigent Friedrich Haider pendelte zwischen Zackigkeit und Zartheit. Lieben Sie Belcanto? An diesem Abend nicht so doll. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2006)

Von Stefan Ender

Maskenball: 14., 18., 22. 3.

I puritani: 12., 16., 20., 24. 3.

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