Mädchenhändlerring in Oberösterreich aufgeflogen

10. März 2006, 09:36
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16 großteils minderjährige Rumäninnen gingen "nicht ganz freiwillig" der Prostitution nach

Linz - Ein Mädchenhändlerring ist in Oberösterreich aufgeflogen. Die Polizei forschte 16 großteils minderjährige Rumäninnen, die im Bezirk Kirchdorf laut Ermittlern "nicht ganz freiwillig" der Prostitution nachgingen, und ihre Zuhälter aus. Das gab die Sicherheitsdirektion am Donnerstag in einer Presseaussendung bekannt. Die Zuhälter und jene Verdächtigen, die die Frauen nach Österreich gebracht und sie mit gefälschten Dokumenten ausgestattet haben, wurden angezeigt.

Durch Hintertür in Wald gebracht

Eine 43-jährige Bordellbetreiberin und ihr 49-jähriger Lebensgefährte sollen zwischen Jänner 2005 und Jänner 2006 acht minderjährige Rumäninnen als Prostituierte beschäftigt haben. Bei Polizeikontrollen wurden die Mädchen von ihren Zuhältern durch eine versteckte Hintertür in einen Wald gebracht. Auch bei Minusgraden und Schnee mussten sie dort barfuß und spärlich bekleidet bis zu drei Stunden ausharren und anschließend unterkühlt ihren "Dienst" wieder aufnehmen.

Im Dezember des Vorjahres gelang einem der Mädchen die Flucht aus dem Bordell. Es wurde von der Polizei aufgegriffen, die Ermittlungen einleitete. Die bereits einschlägig amtsbekannten Zuhälter wurden bei der Staatsanwaltschaft Steyr angezeigt.

Reisedokumente abgenommen

Durch eine Routinekontrolle im Dezember 2005, bei der sich eine Rumänin mit einem gefälschten ungarischen Pass auswies, kam ein zweiter Fall ins Rollen. Bei der Frau handelte es sich um eine Prostituierte, die in einem nicht genehmigten Bordell im Bezirk Kirchdorf arbeitete. Die Ermittler fanden heraus, dass der 26-jährige Betreiber des Etablissements und drei seiner Familienangehörigen insgesamt acht teilweise minderjährige Mädchen aus Rumänien nach Österreich gebracht und als Prostituierte beschäftigt haben. Sie nahmen ihnen die Reisedokumente ab, um eine Flucht unmöglich zu machen.

Nach einer Polizeikontrolle versuchte der Betreiber des Lokals die Mädchen in diversen anderen Bordellen im Bereich von Linz unterzubringen. Alle Verdächtigen wurden ebenfalls bei der Staatsanwaltschaft Steyr angezeigt.

Rotlichtfahnder in Oberösterreich, in Tirol und im Burgenland hatten erst vor wenigen Tagen in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und rumänischen Behörden einen Menschenhändlerring zerschlagen, der mindestens 30 junge Rumäninnen durch Schläge und sexuelle Gewalt zur Prostitution in Österreich gezwungen hat. Laut Polizei besteht aber mit den Kirchdorfer Vorfällen kein Zusammenhang. (APA)

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