Raiffeisen-Chef Stepic rechnet mit CEC-Verkauf bis Herbst

30. März 2006, 15:44
posten

Raiffeisen International arbeitet an verbindlichem Offert bis 25. April - "Erachten unsere Position als gut" - Kritik an Bank-Burgenland-Deal

Wien - Der Chef von Raiffeisen International (RI), Herbert Stepic, rechnet bis Herbst mit einer Privatisierung der rumänischen Großsparkasse CEC, für die das österreichische Institut bereits Mitte 2005 ein zunächst unverbindliches Angebot gelegt hat. Es gebe eine "natürliche Deadline", sagte Stepic am Donnerstag mit Blick auf die für Herbst erwartete Parlamentswahl gegenüber der APA.

Die rumänische Regierung werde "alles daran setzen", den Deal noch vor der Neuwahl unter Dach und Fach zu bringen, ist der RI-Boss überzeugt.

Gute Position

"Wir erachten unsere Position als gut", sagte Stepic auf die Frage nach den Erfolgsaussichten des RI-Offerts für die CEC. Seine Mitarbeiter seien gerade dabei, das von der Bukarester Regierung bis 25. April eingeforderte verbindliche Angebot zu erarbeiten.

Zum Umfang des bindenden Angebots wollte sich Stepic nicht äußern, versicherte jedoch, dass die RZB-Auslandstochter das Geschäft aus eigenen Mitteln finanzieren könne.

Auch am Zeitpunkt der für 2007 geplanten Kapitalerhöhung von RI werde sich aus heutiger Sicht nichts ändern.

Ideale Ergänzung

Die CEC wäre angesichts der derzeitigen Marktstellung von Raiffeisen International in Rumänien "die ideale Ergänzung", da mit einer Akquisition dieser "Massenbank" auch ein Einstieg in das Geschäft mit dem breiten Bankpublikum gelänge.

Keine Probleme erwartet Stepic bei der Abwicklung des Anfang Februar bekannt gegebenen Kaufs der russischen Impexbank. Für dieses Geschäft stehen noch die behördlichen Genehmigungen aus. Er verwies aber darauf, dass die Behörden "von Beginn an eingebunden waren" und die Verhandlungen befürwortet hätten. "Wir rechnen nicht damit, dass eine negative Situation zu erwarten ist".

Mazedonien als weißer Fleck

Als einen der wenigen weißen Flecken auf der Raiffeisen-Landkarte in Ost- und Südosteuropa macht Stepic Mazedonien aus. Dort sei in absehbarer Zukunft kein Einstieg mit einer eigenen Bank geplant. Wegen der sprachlichen Ähnlichkeiten zwischen Bulgarien und Mazedonien prüfe man derzeit aber, diesen Markt von Bulgarien aus mit zu betreuen.

Harsche Kritik an Bank-Burgenland-Deal

Äußerst kritisch äußerte sich der Stepic zur Privatisierung der Bank Burgenland, bei der ein ukrainisches Konsortium trotz eines weit höheren Angebots übergangen worden war.

Es habe sich um einen "sehr unfairen Prozess" gehandelt, weil man den Bietern nicht von Anfang an gesagt habe, dass man ein Unternehmen mit Bankhintergrund als Bieter haben möchte.

Als "sehr bedenklich" wertete Stepic auch die Begründung für die Entscheidung zu Ungunsten der Ukrainer. Sie habe sinngemäß gelautet, "dass es sich um Ausländer handelt". Solche Privatisierungsprozesse widersprächen "der Entwicklung in Europa und weltweit in den letzten 20, 30 Jahren".

Hoffentlich nicht Schule machend

"Wir hoffen, dass das nicht Schule macht jenseits der österreichischen Grenzen", betonte Stepic, dessen Institut im Vorjahr für rund eine Milliarde Dollar die ukrainische Aval Bank übernommen hatte.

Wenn Raiffeisen International in den mittel- und osteuropäischen Ländern genauso behandelt worden wäre wie die ukrainischen Bieter im Burgenland, "wären wir heute nicht in 16 Ländern vertreten, sondern vielleicht in ein paar weniger".

An negative Auswirkungen für österreichische Investoren in der Ukraine glaubt Stepic jedoch nicht. Die Entscheidungsträger in Kiew seien "clever genug" zu erkennen, "dass es sich nicht um einen allgemeinen Trend der österreichischen Politik handelt, sondern um eine einmalige negative Situation". (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Wir erachten unsere Position als gut", sagte Herbert Stepic auf die Frage nach den Erfolgsaussichten des RI-Offerts für die CEC.

Share if you care.