Beginn einer neuen Ära

15. März 2006, 17:51
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Neue Motoren, neue Regeln, neue Hoffnungen - Alonso mutiert vom Jäger zum Gejagten - Auftakt mit 22 Boliden in der Wüste

Sakhir/Bahrain - Der supermoderne Bahrain International Circuit ist am Sonntag (12.30 Uhr MEZ/live ORF 1) Schauplatz des Starts in die 57. Formel-1-WM-Saison. Mit dem 751. Grand Prix der WM-Geschichte beginnt auch eine neue Ära. Neben den wieder erlaubten Reifenwechseln und dem neuen Qualifikationsmodus wird mit V8-Motoren erstmals seit rund einem Jahrzehnt ein neues Motorenkonzept eingesetzt. Renault tritt erstmals mit der Nummer 1 des Fahrer- und Kostrukteurs-Weltmeisters an, Fernando Alonso wird damit vom Jäger zum Gejagten.

Drei Weltmeister

Nach zehntausenden von Testkilometern im Winter und ähnlich vielen Analysen sämtlicher Motorsport-Experten dieser Welt gelten die Franzosen erneut als Favoriten. Allerdings haben es nur sieben Piloten in der WM-Geschichte geschafft, ihren Titel zumindest einmal erfolgreich zu verteidigen. Mit Alonso, Michael Schumacher (Ferrari) und Jacques Villeneuve (BMW-Sauber) sind erstmals seit 1998 wieder drei Weltmeister im Feld zu finden.

Freilich machen sich alle sechs Werkteams, also neben Renault auch McLaren-Mercedes, Ferrari, Honda, Toyota und BMW ernsthafte Hoffnungen im Titelrennen, das so offen scheint wie schon lange nicht mehr. Das Feld der fünf "Privatiers" führt Williams vor Red Bull Racing, Toro Rosso (Ex-Minardi), Midland (Ex-Jordan) und Neuling Super Aguri an. Williams und Red Bull sollten in der Lage sein, im Feld der Top-12 mitzumischen.

Klarheit immer erst danach

Wie immer zu Saisonbeginn werden viele der zahllosen Prognosen am Sonntag Makulatur sein, wenn das erste Rennen Klarheit darüber gebracht hat, wer die neuen Regeln am effektivsten umgesetzt hat. Bis zum dritten Grand Prix in Australien werden die Teams großteils mit den Gegebenheiten leben müssen, erst beim Europa-Auftakt in Imola am 23. April sind Nachbesserungen zu erwarten.

Der Bremsen mordende Hitze-GP in Sakhir, 30 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Manama und damit mitten in Stein, Staub und Wüste, ist wegen der am 15. März in Melbourne beginnenden Commonwealth-Games bei der 3. Auflage erstmals Schauplatz des WM-Auftaktes und damit ein absoluter Zuverlässigkeitstest für die neuen Autos und Motoren. Es könnte eine spannende Saison werden, denn wirklich klarer Favorit hat sich bei den Wintertests mit den neuen Motoren keiner herauskristallisiert. Gut möglich also, dass aus dem Zweikampf Renault-McLaren ein weit offeneres Titelmatch wird, vor allem Honda ist bisher positiv aufgefallen.

Reifenwechsel und dreifaches Qualifing

Dass die erste Standortbestimmung des Jahres erstmals in der "Wüste" stattfindet, verleiht dem WM-Auftakt zusätzliche Spannung. Die erlaubten Reifenwechsel im Rennen und das dreigeteilte K.O.-Qualifying erlauben eine Vielzahl zusätzlicher taktischer Varianten, zudem wird der Faktor Fahrer wieder stärker zum Tragen kommen. 2006 wird zudem eines der letzten Jahre in der Formel mit den Mega-Budgets, die vor allem die Hersteller in die Schlacht werfen. Die 100-Millionen-Dollar-Teams sollen spätestens 2008 Realität sein.

Der "Austria-Faktor" ist 2006 dafür enorm. Nach dem Minardi-Kauf durch Red Bull stehen mit Toro Rosso und Red Bull Racing nicht nur erstmals zwei Teams mit österreichischem Besitzer im Feld, auch bezüglich Team-Personal sowie im Catering oder der Security tummeln sich so viele Österreicher wie noch selten in der Formel 1. Mit Christian Klien (23/Red Bull) und dem 32-jährigen Alexander Wurz (3. Fahrer bei Williams) sind zwei rot-weiß-rote Piloten im Einsatz.

Was 2006 wirklich Sache ist, wird wohl erst nach den 56 Rennrunden am Sonntag klar sein. Dieser Meinung ist auch Rekordweltmeister Michael Schumacher, obwohl Ferrari wie Toro Rosso und Honda im Februar in Bahrain getestet hat. "Diese Tests waren sicher kein Nachteil. Aber in Wahrheit weiß man bis zum ersten Renntag gar nichts", brachte es der 37-jährige Deutsche auf den Punkt. (APA)

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    "El magico" Fernando Alonso möchte einen zweiten WM-Titel aus dem Hut zaubern. "Wir haben unsere Hausaufgaben gut erledigt." meint der Weltmeister.

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