22 Jahre im Libanon

6. Juni 2000, 08:39

Tel Aviv/Beirut - Mit dem überstürzten Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon geht eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Phase direkter israelischer Einflussnahme im Nachbarland zu Ende.

1978 - Nach einem Anschlag palästinensischer Untergrundkämpfer, bei dem in Nordisrael 37 Menschen getötet werden, marschiert Israel im Libanon ein, der sich seit 1975 im Bürgerkrieg befindet. Die israelischen Truppen ziehen sich nach wenigen Wochen zurück, schaffen aber eine zehn Kilometer breite Pufferzone, in der christliche libanesische Söldner patrouillieren. Unter Führung der libanesischen Ex-Offiziere Saad Haddad und Antoine Lahad wird die Miliz SLA ("Südlibanesische Armee") geschaffen. Die UNO fordert in der Resolution 425 den vollständigen und bedingungslosen Abzug Israels.

1982 - Israels Armee beginnt einen Feldzug (Bezeichnung der Invasion: "Frieden für Galiläa") bis Beirut. Ziel ist es, die palästinensischen Organisationen aus dem Libanon zu vertreiben. PLO-Chef Yasser Arafat und Tausende seiner Kämpfer müssen das Land verlassen. Israels Armee lässt ein fürchterliches Massaker christlicher Milizen in den Palästinenser-Flüchtlingslagern Sabra und Shatila zu. Der unter israelischem Schutz von einem Rumpfparlament zum libanesischen Präsidenten gewählte Falange-Führer Bechir Gemayel kann sein Amt nicht antreten; er kommt bei einem Bombenanschlag ums Leben. Ein von Israel diktierter Friedensvertrag wird vom libanesischen Parlament nicht ratifiziert.

1985 - Israel zieht sich aus dem Libanon zurück, behält jedoch eine "Sicherheitszone", die von israelischen Soldaten und der SLA-Miliz kontrolliert wird. Vom Iran gesteuerte schiitische Hisbollah-Kämpfer beginnen einen Abnutzungskrieg gegen die Besatzer, bei dem bis heute 250 Israelis und etwa 300 SLA-Milizionäre getötet wurden.

1991 - Erste Nahost-Konferenz in Madrid. Israel und der Libanon beginnen Gespräche. Beirut verknüpft eine vertragliche Lösung mit einer gleichzeitigen israelisch-syrischen Regelung. Die libanesische Regierung schließt jeden Separatvertrag mit Israel aus. Syrien hat rund 30.000 Soldaten als Ordnungstruppe im Libanon stationiert.

1996 - Operation "Früchte des Zorns": Nach massivem Artilleriebeschuss Nordisraels durch die Hisbollah marschiert die israelische Armee im Nachbarland ein. Bei den folgenden Aktionen werden 200 libanesische Zivilisten getötet. Beide Seiten vereinbaren, künftig zivile Angriffsziele zu meiden.

1998 - Der israelische Premier Benjamin Netanyahu erklärt sich erstmals grundsätzlich zum Abzug aus dem Südlibanon und zur Erfüllung der UNO-Resolution 425 bereit.

1999 - Israels neuer Ministerpräsident Ehud Barak kündigt den vollständigen Rückzug aus dem Nachbarland im Rahmen einer Friedenslösung innerhalb eines Jahres an.

2000 - Nach dem Scheitern der Bemühungen um ein Friedensabkommen mit Syrien und dem Libanon beschließt Barak den einseitigen Rückzug bis Anfang Juli, doch die Ereignisse zwingen ihn, den Termin vorzuziehen. (APA/dpa)

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