Steinmarder auf Rügen mit Vogelgrippe infiziert

12. März 2006, 19:35
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Weltweit erster Fall - Tier stammt wie infizierte Katzen aus Schaprode - Experten sehen keine veränderte Situation

Riems - Die Vogelgrippe ist auf der deutschen Ostsee-Insel Rügen weltweit erstmals bei einem Steinmarder nachgewiesen worden. Labortests hätten eine Infektion mit dem Virus H5N1, berichtete das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Donnerstag auf der Insel Riems.

Der Marder war Anfang März mit Grippesymptomen gefunden worden. "Obwohl mit diesem Fund eine weitere Säugetierart erstmals betroffen ist, ändert sich die grundsätzliche Einschätzung der Seuchensituation nicht", sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. Der Steinmarder stamme wie die drei H5N1-infizierten Katzen aus dem Zentrum des Seuchengeschehens auf der Insel Rügen. Der stark geschwächte und im Sterben liegende Marder war am 2. März im Küstenort Schaprode noch lebend gefangen und später vom Rügener Amtstierarzt eingeschläfert worden.

Vergleichbares Beutespektrum

Nach FLI-Angaben ist davon auszugehen, dass sich das Tier beim Fressen kranker oder toter infizierter Vögel angesteckt hat. Katzen und Marder hätten ein vergleichbares Beutespektrum.

Als bemerkenswert beurteilen die Riemser Forscher, dass sich das Spektrum der H5N1-infizierten Säugetierarten damit ausgeweitet hat. Aus diesem Grunde sei ein Beobachtungsprogramm für lebende Säugetiere sinnvoll. Weltweit war bisher keine Infektion von Mardern und verwandten Tierarten mit dem H5N1-Virus beschrieben worden.

Die genaue Virusvariante ist bei dem Marder noch nicht bestimmt. Das FLI geht aber davon aus, dass es sich um dieselbe aggressive asiatische Erregerform handelt, die bislang bei allen darauf untersuchten Vogelgrippefunden in Deutschland nachgewiesen wurde.

Weitere Untersuchungen

Das Institut plant eigenen Angaben zufolge in den nächsten Tagen weitere Untersuchungen der Probe. Mit einer genauen Analyse des Erbmaterials soll unter anderem geprüft werden, ob das Virus mutiert sei und deshalb möglicherweise leichter von einer Art auf eine andere überspringen könne.

Das tote Tier war zunächst in Rostock im zuständigen Landesamt untersucht worden. Am Mittwoch hatte das Friedrich-Loeffler-Institut die Proben erhalten. Soweit noch möglich, werde im Landesamt geklärt, ob die Virusinfektion die Todesursache bei dem Marder gewesen sei, teilte das Landwirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag in Schwerin mit. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Steinmarder.

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