Süddeutsche Banken beklagen Kapitalabfluss nach Österreich

30. März 2006, 15:44
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Allein bayerische Raiffeisenkunden haben in 14 Monaten 434 Millionen Euro nach Österreich transferiert

München - Aus Angst vor der in Deutschland seit einiger Zeit intensivierten Kontenabfrage bringen viele Bayern weiterhin ihr Erspartes zu österreichischen Kreditinstituten.

In 14 Monaten von Ende 2004 bis Ende Jänner 2005 seien allein von den Konten bayerischer Volks- und Raiffeisenbanken mindestens 434 Mio. Euro ins Nachbarland verlagert worden, teilte der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern am Donnerstag in München mit.

Der Schaden für den Standort Bayern und Deutschland sei weitaus größer als der Nutzen der ursprünglich zur Terrorabwehr eingeführten automatisierten Kontenabfrage, sagte Götzl.

Die wahre Dimension des Kapitalabflusses nach Österreich dürfte noch viel größer sein, da den Banken nur die Direktüberweisungen auf österreichische Konten bekannt würden.

Privatsphäre besser geschützt

Das Geld fließe nicht nach Österreich, weil dort höhere Zinsen gezahlt würden, sondern weil die deutschen Bankkunden ihre Privatsphäre dort besser geschützt sähen, so der bayerische Verbandspräsident.

Verlagert würden nicht große Summen an Schwarzgeld, sondern mühsam angespartes "weißes Geld", von "Durchschnittsverdienern", weil die Gesetzeslage in Deutschland der Vertrauen zu den Kreditinstituten untergrabe.

Österreichische Banken hätten ihre Bemühungen um deutsche Anleger seit Einführung beziehungsweise Verschärfung der automatisierten Kontenabfrage sogar noch verstärkt, berichtete Götzl. Inzwischen richteten sie sich nicht nur an deutsche Bankenkunden im Grenzgebiet, sondern in ganz Bayern.

Das deutsche "Big Brother is watching you-Gesetz" schade Deutschland massiv, kritisierte der Verbandspräsident.

Im ersten Quartel 2005, vor der Verschärfung der Kontenabfragemöglichkeiten zum 1. April des Vorjahres, seien insgesamt 153 Mrd. Euro aus Deutschland abgeflossen.

Schnüffelvollmacht

"Schluss mit der Verunsicherung der Menschen durch bürokratische Schnüffelvollmacht", forderte Götzl wörtlich.

Die Raiffeisenbanken Rottal Inn und Berchtesgaden-Land haben bereits Konsequenzen aus der Entwicklung gezogen und Bankfilialen in Österreich eröffnet, in denen ihre Kunden Konten eröffnen können. Beide Banken hätten festgestellt, dass damit die Abflüsse praktisch zum Stillstand gekommen seien, berichtete Götzl.

Derzeit bemühten sich "einige" weitere bayerische Raiffeisenbanken um Eröffnung von Filialen im Nachbarland. Welche und wieviele dies sind, wollte Götzl nicht sagen. (APA)

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