Einserfrage: Droht eine Eskalation der Lage?

von Redaktion  |  10. März 2006, 08:13

Es antwortet: Walter Posch, Iran-Experte und Mitarbeiter des Institute for Security Studies (EUISS) der Europäischen Union

derStandard.at: Was erwarten Sie sich durch die Überweisung des Streits um das iranische Atomprogramm an den UN-Sicherheitsrat?

Posch: Dass der Iran dies als feindlichen Akt auffasst, aus dem Atomwaffensperrvertrag austritt und die Inspektoren des Landes verweist, damit würden die IAEA und dadurch die Weltöffentlichkeit jeglichen Überwachungsinstruments beraubt werden.

derStandard.at Es kommt also eher zu einer Eskalation der Lage?

Posch: Wenn die Iraner aus dem Vertrag aussteigen, handelt es sich natürlich um eine Eskalation.

derStandard.at: Ist die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Eingreifens gegen den Iran nun gestiegen?

Posch: Solche Entscheidungen hängen von anderen Parametern, vor allem von der iranischen Rolle im Irak ab. Auch wenn es starke Befürworter eines militärischen Eingreifens gegen den Iran gibt, so scheint niemand in den USA und schon gar nicht in Europa eine militärische Konfrontation zu wollen.

derStandard.at: Könnten die USA wie im Fall Irak auch gegen den Iran ohne Beschluss des UN-Sicherheitsrates angreifen?

Posch: Nein, der Unterschied liegt darin, dass die USA seit zwei Jahren Unilateralismus vermeiden und sicher sind, eine passende Resolution durch den Sicherheitsrat zu bringen.

derStandard.at: Der Iran gerät nicht zuletzt durch die starre Haltung von Präsident Ahmadinejad zusehends in (wirtschaftliche?) Isolation. Wie sehr schadet das dem Präsidenten innerhalb des Landes? Könnte ihn seine starre Haltung politisch sogar den Kopf kosten?

Posch: Wirtschaftliche Isolation? Iranisches Kapital flieht aus dem Iran und die Iraner bekommen weniger Investitionen, von Isolation zu sprechen ist jedoch überzogen. Der Iran hat sich mit seiner chaotischen Wirtschaftspolitik immer selbst geschadet und die Schattenwirtschaft war ohnehin einer der wichtigsten Arbeitsgeber.

Ahmadinejad spielt nun recht erfolgreich die Populismusschiene, wirtschaftlich motivierte Proteste (z.B. Streiks der Busfahrer) lässt er rücksichtslos unterdrücken. Unter normalen Umständen hätte er sehr rasch an Ansehen verloren, das Atomprogramm und seine Polemiken haben ihm aber so sehr geholfen, dass ich nichts sehe, was ihm nun den innenpolitischen Kopf kosten könnte.

derStandard.at: Ahmadinejad hat mehrere antisemitische Aussagen getätigt und drohte auch mit der Vernichtung Israels. Wie ernst sind solche Sager zu nehmen?

Posch: Er hat ein Khomeini-Zitat aufgegriffen, was er sehr bald bereute. Die Iraner trauen sich nicht mehr mit der Vernichtung Israels zu drohen, vielleicht hat jemand mit ihnen Klartext gesprochen. Was für ihn und für die meisten Muslime typisch ist, ist der Versuch Zionismus von Judentum zu unterscheiden.

Seiner Ansicht nach unterdrückt Israel die Palästinenser nicht, weil es jüdisch ist, sondern weil es zionistisch ist. Bis hierher ist alles nachvollziehbares anti-imperialistisches, islamistisches Denken. Interessant ist seine Obsession mit dem Holocaust, weil es darüber weder bei Khomeini noch im generellen islamistischen Diskurs eine Parallelle gibt. Das erinnert eher an den europäischen Antisemitismus nach 1945.

derStandard.at: Bringt ihn das innerhalb des Landes, in welchem es ja auch einen jüdischen Bevölkerungsanteil gibt, nicht zusätzlich in Bedrängnis?

Posch: Einen großen jüdischen Bevölkerungsanteil gibt es nicht, er ist groß im Verhältnis zu anderen Ländern, aber deutlich unter 100.000 Personen. Die Tragik ist, dass Iran über 2.000 Jahre das wahrscheinlich toleranteste Land der jüdischen Bevölkerung gegenüber war, und Antisemitismus in der normalen Bevölkerung auch heute kaum zu finden ist.

Die Fragen stellte Rainer Schüller

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erich loewy   
09.03.2006 22:39
Die Gefahr Jedes Fundamentalismus

Vor Jahren hat ein bekannter Mann (vielleicht Dworkin) geschrieben daß es sehr wohl ein religiöser Krieg ist aber nicht Christentum vs Islam sonder zwischen Menschen die glauben daß Staat & Religion getrennt sein muß und diejenigen die glauben daß der Staat im Auftrag der Religion (welch immer) besteht. Fundis sind fundis ob Katholisch, Protestantisch, Jüdisch oder Islam. Sie machen alle einen vollkommenen Wahrheitsanspruch und fühlen die Pflicht uns arme Sünder zu bekehren--indem man sie am Scheiterhaufen verbrennt, Ihnen den Kopf abhaut oder was der Sport des Tages ist. Die Gefahr des Fundamenalismus (wurscht welcher) ist, m.E., die größte Gefahr.

Dr. E.H. Loewy
Prof. & F'dg. Chair, Bioethics
U of CA, Davis
ehloewy@ucdavis.edu

slow motion
10.03.2006 18:37
Auch Säkularismus kann man fundamentalistisch interpretieren ...

(Auch Antifaschismus kann man fundamentalistisch interpretieren; nicht zuletzt war auch Stalin "Antifaschist" bzw. präsentierte sich als solcher)

Ein jeder Konflikt beweist, daß beiden Seiten Fundamente haben (insofern sind beide Seiten fundamentalistisch), die im Widerspruch zu den Fundamenten der Anderen stehen, was letztlich den Konflikt verursacht.

Sisu75 
10.03.2006 09:48
Gebe Ihnen vollkommen recht. Die Probleme -in diesem Konflikt- fuer die Nichtreligiöse Seite sind folgende:

a) Demographie: Religiöse bekommen viel mehr Kinder. Westlich eingestellte Familien sind häufig kinderarm oder kinderlos. In Israel (Jerusalem) kann man dieses Problem sehr gut beobachten.
b) Religiöse Menschen sind zu mehr Opfern bereit, da sie mit dem Jenseits vertröstet werden.
c) Ein grosses Problem fuer die "Westler" ist auch dass fehlen eines Idealismuses fuer irgendwas (ohne werten zu wollen z.b fuer Familie, Staat, Wissenschaft oder Kunst etc.). Die Egozentrik steht im Mittelpunkt.
d) Ein weiteres Problem ist das verkennen des Ausmasses des Problems. Die Demographie und politsche Entwicklung spricht eine klare Sprache und trotzdem sind die Menschen mehr an i-Pod und Love Parade interessiert.

Gruesse aus Finnland
Ari

johann potakowskyj  
09.03.2006 22:12
und dann gibt es noch diesen

antizinistischen cartoon kontest:
http://boomka.org/blog/wp-c... 4067999377

mfg
johann potakowskyj

ilse schmidt 
09.03.2006 22:10
Was für ihn (AN) und für die meisten Muslime typisch ist, ist der Versuch Zionismus von Judentum zu unterscheiden.

`Schuldigung, was hat das mit Muslim oder nicht Muslim zu tun? Das ist eifach eine korrekte Trennung, zweier unterschiedlicher Begriffe, die notwendig sind und eine differenzierte Israel-Kritik üben zu können. Was meint der Herr?

johann potakowskyj  
09.03.2006 22:02
also da stimmt was nicht ...

letzte woche hat die iranische presse behauptet altkanzler kohl (BRD) hätte zu einer iranischen wirtschaftsdelegation gesagt, der iranische präsident spreche offen aus, was man sich in deutschland nur zu denken traue ...

da hat sich nur die weltpresse geändert, die ganz einfach das, was dort täglich "offen ausgesprochen" wird, ignoriert.

obwohl die usa einen alleingang beschwört, kann der iran nur in einer allianz mit europa militärisch angegriffen werden. die armme hat 1 million soldaten. natürlich könnte man einen bombenkrieg starten. dabei würde aber die westliche kultur noch nicht mitmachen.

man wird eine strafaktion starten und dann die eskalation abwarten müssen.

mfg
johann potakowskyj

Huricane
09.03.2006 17:04
Krieg ist schon lange fix

Amerika hat ja schon lange Ziele festgelegt, und da haben sie gleich mal mit Irak angefangen. Und jetzt ergibt sich eine günstige Gelegenheit einen krieg zu starten denn dann werden sie immer sagen "erinnert euch an die Sache mit dem Atomstreit , die haben doch angefangen"

Der Krokettenschlamper
09.03.2006 19:45

Tja, da stellt sich whl jemand die Frage: "Haben die USA zu viel zu tun um sich um unser kleinens Atombömbchen zu kümmer"

Hoffe mal das die Antwort NEIN lautet.

Ahmed Ibrahim  
09.03.2006 19:23
Diese Kriege sind seit dem Bush senj geplant wurden, besitzen und eie weitere Teilung der bereits geteilten Ländern, wurden auch in Betracht gezogen.

Somalien, Afhganistan, Iran, Irak, syrien, Ägypten und Lybien. Die Zeit, die Gründe vor der Weltöffentlichkeit und die Aufstände haben die Realisierung verlangsamt

Huricane
09.03.2006 19:35

Ich weiß ich weiß

Herr Bert Infos zum Powerposten
09.03.2006 15:23
sinnvolle lektüre

http://www.guardian.co.uk/comment/s... 96,00.html

Der Historiker Timothy Garton Ash über die Möglichkeiten Europas, dei Demokratie im Iran zu fördern.

Brücke
09.03.2006 16:01
Das übliche imperialistische Denken

würde der Iran auf entsprechende Weise über Europa
nachdenken , würde ich das als unpassende
Einmischung empfinden

johann potakowskyj  
10.03.2006 02:33
es ist aber so

dass das islamische kräfte bereits tun. so meint die moslemische bruderschaft, das europa in kürzerster zeit islamisiert sein wird.

man hätte schon längst gemässigte kräfte in diesen ländern mehr fördern sollen. das ist ein langwieriger prozess, aber es gibt historisch positive beispiele, dass das früchte tragen kann.

die habsburger haben über hundert jahre in die mässigung des islams in der türkei viel geld investiert, bis mit attatürk der durchbruch gelungen ist.

europa sollte sich ihrer aufgaben wieder erinnern, dass sich diese länder von innen hehr selbst erneuern können.

die medien könnten den anfang machen und reformern dieser weltgegend mehr podien anbieten.

mfg
johann potakowskyj

Brücke
10.03.2006 12:44

Gesellschaftsvorstellungen verbreiten sich
durch Vorbildwirkung .

xx Hour1
09.03.2006 14:46

LOL
Bus Fahrere Proteste Erfolgreich unterdrückt.
Iranische wirtschaft macht jedes Jahr ca 5-6% Wachstum , auch unter Ahmadi Nejad

elmo
15.03.2006 12:53
ihre ständige einseitigkeit diskualifiziert sie als diskussionspartner

wir können hier im forum nicht die weltpolitik beeinflußen oder bestimmen was wir können ist informationen austauschen oder diskutieren und ist es besonders wichtig auch die eigene fehler einzugestehen was leider nicht ihre stärke ist.

ein 5%er wirtschaftswachstum geht den busfahrern im teheran am ar*** vorbei, wenn sie nichtmal für ihre rechte auf die strasse gehen können oder wenn ihre 4 jährige kinder desswgen geschlagen werden.

johann potakowskyj  
10.03.2006 02:36
im letzten jahr des schah

waren es 200% wirtschaftswachstum ...
und vielleicht ist das gar nicht so zu begrüssen, den ein grossteil der insdustrie ist im besitz der ayatollahs. jeder wirtschftswachstum macht sie reicher und mächtiger.

so what!

johann potakowskyj

Harry Meier 
09.03.2006 19:27
AHA und weil die Wirtschaft so gut läuft, dürfen

.. die Mullahs mit den Gewerkschaften umspringen wie es ihnen passt oder wie soll ich ihren Kommentar verstehen ?

Zudem sind zwei Drittel der Bevölkerung unter 30 Jahre und die Jugendarbeitslosigkeit bei weit über 20%.

Die werden dieses Mullahregime bald mit nassen Fetzen aus dem Amt jagen. Lange können die Mullahs mit ihrer Hetze gegen den Westen nicht mehr die eigenen Fehler und Missbräuche verstecken.

elmo
15.03.2006 12:55
wieso, die usa leisten doch den mullahs abhilfe bei dem problem, sehen sie es nicht?

xx Hour1
09.03.2006 21:52

Viel Junge leute , viele Konsumente , viele Ideen , viele Dynamik
auch viel arbteislosigkeit.
so ist china , so ist im indien und so auch im iran
Wie groß ist die Jugend Arbeitslosigkeit im Österreich ?
Ein Rekord jagt dem andrem , im iran gibt es mindestens Wachstum.

und by the way
Ich habe Ihnen 1000mal Erklärt wenn sie JugendRevolte sehen wollen , dann gehh nach Paris oder Nord England.

Cerny
10.03.2006 05:48
Sorry aber

Der Iran ist weder China noch Indien. Das iranische "Wirtschaftswachstum" könnte ja evtl. auch ein wenig mit seinen Rohstoffen zu tun haben. Das der Großteil der Leute dort eigentlich nichts zu lachen hat - weil sie von diesem Vorzug nichts haben und unter den Revolutionären Garden eher zu leiden haben spricht nicht gerade für dass Regim. An der Ausenpolitik der USA (bzws. Ihrer Politik insgesamt) gibt es sicherlich viel zu kritisieren. Für mich sieht es so aus als ob - mir wichtige, demokratische Mechanismen ausgehebelt werden. Der Iran verfügt über keine Demokratie und mit den Mullahs ist auch nicht gut Kirschen essen...

elmo
15.03.2006 12:57
"Das der Großteil der Leute dort eigentlich nichts zu lachen hat..."

glauben sie mir 'xx Hour1' versteht solche argumente nicht.

xx Hour1
10.03.2006 09:06

Das ist qwieder viel klischee
über iran ,

die nicht öl Exporte wachsen ganz gut , Iran exportiert Stahl , Auto(auto Teile) in zwischen ist man der 8 Großte Auto produzent der Welt
, Landwirtschaft Artikel, inzwischen auch Rüstunggüter. Öl bleibt das wichtigste , aber man Exportiert viel Petrochemie und nicht bloße rohöl

Viele Junge Leute , viele ideen.


Revoloution Garden sind rein militärische einheit , sie sind weder polizei noch geheimdienst
deswegen unterdrücken sie auch keinen.

Cerny
10.03.2006 12:03
PS:

Schon mal etwas von den Revolutionären Garden gehört, die im Zuge des Regimwechsels so freundlich waren - durchaus gläubigen Frauen das Kopftuch anzunageln??? Nicht etwa weil sie es nicht trugen - sondern weil einer meinte es sei verrutscht.

Cerny
10.03.2006 12:01
Ja, ja - unsere Freunde - die Revolutionären Garden

So weit kommts dann langsam noch. Erst vor ein paar Wochen gab es im Standard einen Artikel über ein Todesurteil gegen ein minderjähriges Mädchen im Iran zu lesen. Das Strassenkind wurde des öffteren von den Revolutionären Garden vergewaltigt. Als es dann einmal zur Gegenwehr ein Messer benutzte und einen der Peiniger tödlich verletzte wurde sie zum Tode verurteilt. Über diese Einheit gibt es schon seit eher nicht besonders rühmliches zu berichten. Übrigens ist nicht immer jedes Klischee falsch. mfg

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