Deutschland: Pläne gegen Zwangsehen bekräftigt

9. März 2006, 11:04
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Frauenrechtlerinnen fordern verstärkten Kampf gegen "Ehrenmorde"

Berlin/Köln - Union und SPD in Deutschland haben zum Internationalen Frauentag ihr Ziel bekräftigt, Zwangsverheiratung als Tatbestand ins Strafgesetzbuch aufzunehmen. "Zwangsverheiratungen verletzen auf fundamentale Weise die Würde der Frau", sagte der frauenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer (CSU), am Mittwoch in Berlin.

Gewalt keine Frage der Ehre

Als "völlig inakzeptabel" bezeichnete die Vorsitzende des Familienausschusses, Kerstin Griese (SPD), auch so genannte Ehrenmorde. Die Jugendarbeit müsse besonders bei den jungen Männern ansetzen und deutlich machen, dass Gewalt keine Frage der Ehre sei.

Bei einer internationalen Konferenz in Köln forderten Frauenrechtlerinnen einen verstärkten Kampf gegen "Ehrenmorde". Zwischen Oktober 2004 und Juni 2005 seien in Deutschland acht Frauen aus religiösen Gründen von Familienmitgliedern getötet worden, sagte Christa Stolle von der Organisation "Terres des Femmes". Die Dunkelziffer liege weitaus höher. "Weltweit werden vermutlich jährlich 5.000 Frauen Opfer eines Ehrenmordes."

Implementierung in Lehrpläne

In einer Resolution verlangten die KonferenzteilnehmerInnen, die Kritik an frauenfeindlichen Traditionen in die Lehrpläne aufzunehmen. Zudem müssten Einrichtungen, die bedrohte Frauen schützten, vom Staat mit mehr Geld unterstützt werden.

Die Mitbegründerin des ersten Frauenhauses in Österreich, Rosa Logar, kritisierte die Behörden: "Vor einem Ehrenmord gibt es oft Anzeichen." Justiz und Polizei nähmen diese "häufig nicht ernst genug".

Thema Frauenarbeit

Zur Beschäftigungslage der Frauen sagte der deutsche Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD): "Wir haben die europäische Vorgabe, die Frauenerwerbsquote auf 60 Prozent zu heben, fast erreicht." Derzeit liege diese Quote bei 59,2 Prozent. "Auch arbeitslose Frauen müssen ihren fairen Anteil an den Förderinstrumenten haben", ergänzte der deutsche Vizekanzler. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla kündigte an, die Große Koalition werde die Kinderbetreuung ausbauen und das Angebot an Ganztagsschulen erweitern, damit Frauen Beruf und Familie besser vereinbaren könnten.

Die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Christel Humme, sagte: "In Deutschland sind Frauen in den obersten Führungsetagen von Betrieben unterrepräsentiert." Die Unterschiede bei Einkommen und sozialer Absicherung zwischen Männern und Frauen seien nicht gerechtfertigt. (APA/dpa)

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