Reale Einkommenszuwächse stützen

31. März 2006, 19:17
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Zunahme der Handels­umsätze stützt Konjunktur - Teilzeitjobs boomen – Zahl der Vollzeitarbeitsplätze stabilisiert

Wien – Die seit einigen Monaten zu beobachtende Konjunkturerholung in Österreich wird zunehmend von der Inlandsnachfrage getragen. Die Verschiebung von der Exportkonjunktur hin zur wesentlich beschäftigungsintensiveren Binnennachfrage hatte allein im Februar 39.000 neue Arbeitsplätze im Vergleich zum Vorjahr zur Folge. Dabei handelt es sich allerdings fast ausschließlich um Teilzeitjobs im Dienstleistungsbereich, sagt Wifo-Experte Markus Marterbauer. Aber immerhin: Nach fünf Jahren der Rückgänge dürfte sich nun endlich auch die Vollzeitbeschäftigung "stabilisieren".

Erst im Dezember haben Wifo und IHS ihre Konjunkturprognosen von zuvor unter zwei Prozent auf ein voraussichtliches Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent für heuer deutlich angehoben. Trotz des momentan günstigen Aufwärtstrends ist eine weitere Prognoseerhöhung, die am 31. März vorgelegt wird, eher unwahrscheinlich. "Die derzeitigen Daten passen uns ganz gut ins Bild", sagt Marterbauer.

Beim privaten Konsum läuft der Einzelhandel bis auf das Pkw-Geschäft sehr günstig. Hier ist in den Zahlen der Wirtschaftsforscher das Weihnachtsgeschäft sowie der "lebhafte" Einzelhandelsumsatz im Jänner enthalten.

Reales Plus im Börsel

Geholfen hat hier zu Jahresbeginn vor allem die niedrige allgemeine Teuerung, die laut Marterbauer "erstmals seit 2002 wieder reale Einkommenszuwächse" erlaubt hat. Die Inflationsrate ging von 1,6 Prozent im Dezember auf 1,2 Prozent im Jänner zurück. Die realen Einkommenszuwächse dürften derzeit laut Wifo-Experte Marcus Scheiblecker grob bei 2,3 Prozent liegen.

Zur Konsumbelebung kommt die erwartete kräftige Ausweitung der Investitionstätigkeit der Unternehmen. Erwartet deshalb, weil die Investitionen bis Ende 2005 noch nicht angezogen haben, doch die aktuellen Industrieumfragen zeigen, dass die Unternehmen dies vorhaben. Die Sachgüterindustrie will beispielsweise um 7,7 Prozent mehr investieren als im Vorjahr.

Mäßige Zuwächse bei Exporten

Die Exporte weisen nur noch "mäßige Zuwächse" auf, sagt das Wifo, dennoch schätzen die Unternehmen auch die kommenden Auslandsaufträge günstig ein. Hinter dieser Entwicklung steckt die allgemeine Konjunkturerholung in Europa und hier vor allem in Deutschland.

Stabilisiert haben sich günstigerweise auch die Rohölpreise und das Euro- Dollar-Verhältnis, was hilft, frühere Unsicherheiten in den "Köpfen" der Unternehmen abzubauen. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2006)

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    Mit der Konjunkturerholung zieht die Beschäftigung kräftig an.

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