Die Garage und die Tiefe der Ablehnung

12. März 2006, 19:56
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VP-Chef Johannes Hahn ist grundsätzlich für Garagenbauten. Die Innere Stadt ist jedoch ein Sonderfall

Auch wenn im VP-Bezirk Innere Stadt ein Projekt abgelehnt wurde, steht Wiens VP-Chef Johannes Hahn grundsätzlich zu Garagenbauten. Er fordert einen "grünen Offenbarungseid".

Wien - "Die Wiener ÖVP hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass wir grundsätzlich für Garagen sind", bemüht sich der Wiener VP-Chef Johannes "Gio" Hahn im Standard-Gespräch um eine differenzierte Annäherung zum Thema Neue-Markt-Garage. "Aber wenn die Anrainer derart deutlich sagen, sie wollen das nicht, dann ist das zu respektieren." Allerdings müsse auch klar sein, "dass sie die nächsten zehn Jahre nicht kommen können und sagen, sie wollen jetzt doch eine Garage. So ein Projekt schüttelt man ja nicht aus dem Ärmel."

Es gibt aber zwei Umfragen. Jene der Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (VP), die im unmittelbaren Grätzel 75 Prozent Ablehnung erhob - und jene der Garagenbefürworter, die in einem größeren Umfeld auf ebenso viel Zustimmung für das Projekt kamen. Dies wiederum nimmt der City-Gemeinderat Georg Niedermühlbichler (SP) zum Anlass, um von einem von der "ausgewiesenen Garagengegnerin" Stenzel "bestellten" Ergebnis zu sprechen - die Umfrage sei eine ausgesprochen "diletantische" gewesen.

Hahn wiederum hält die Umfrage der Garagenbefürworter für weniger repräsentativ: "Da wurden 4000 Menschen befragt - bei einem Rücklauf von fünf Prozent. Ich fand's ja schon tapfer, dass sie diese Zahlen überhaupt veröffentlicht haben." Jedenfalls muss der grundsätzliche Garagenbefürworter Hahn eine im VP-Bezirk abgelehnte Garage zur Kenntnis nehmen - und das ist für ihn ein Anlass, den Spieß umzudrehen und "von den Grünen einen Offenbarungseid" zu verlangen: "Wenn sie gegen Autos und gegen den Individualverkehr sind, dann sollen sie das offen sagen.

Fortgeschrittener Garagenfetischismus

Ich finde es aber überhaupt nicht okay, wenn sie sich nicht offen bekennen, aber mit einer Gruppe von Bezirk zu Bezirk tingeln und die Leute rebellisch machen." Hahn ortet gar "eine kleine Aktionsgruppe gegen den Garagenbau rund um den Grünen Umweltsprecher Rüdiger Maresch". Die solle sich aber "offen deklarieren" und "nicht ständig hinter Bürgerinitiativen verstecken". "Fetischismus" Maresch selbst wiederum ortete am Mittwoch einen "fortgeschrittenen Garagenfetischismus in der SPÖ". Auch wenn Bürgermeister Häupl in Zeitungsinterviews das Gegenteil behaupte, "huldigt sein eigener Verkehrsstadtrat Schicker hemmungslos dieser Leidenschaft. Mittlerweile muss man den Eindruck gewinnen, dass der Garagen-Krieg quer durch die SPÖ geht", so Maresch.

Sonderfall Innere Stadt

Hahn jedenfalls "steht weiter zu Garagenbauten. Schließlich gibt es nach wie vor zweistellige Zuwachsraten bei den Zulassungen." Aber man müsse eben auch den "Menschen kommunizieren, warum wir diese Garagen brauchen". Auch Umfragen seien legitim, "wenn das Projekt in erster Linie die Anrainer betrifft". Der Neue Markt und die Innere Stadt seien allerdings ein Sonderfall. Und das liegt weniger an der Bezirksvorsteherin. Sondern: "In diesem Bezirk gibt es schließlich mehr Parkplätze als Einwohner", argumentiert der VP-Chef.(Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 9.3.2006)

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