Musikrundschau: Bewährte Alte mit Songs, die tapfer durchhalten

16. März 2006, 17:28
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Neue Alben von Placebo, David Gilmore und Hugo Race & True Spirit

PLACEBO
Meds

(Virgin/EMI)
Brian Molko und sein Trio sollten auch heuer wieder für Begeisterung als Headliner bei zahllosen Sommerfestivals in ganz Europa sorgen können. Die 13 Songs von Meds dürften sich jedenfalls ohne große Probleme zwischen die alten, von MTV tot gespielten Hits einfügen. Knackige Bassläufe, quengelnde Gitarren, ein gutes, altes Powerschlagzeug, zarte elektronische, leicht sinistre Behübschung und dazu ein Gesang, der nach wie vor klingt, als habe Molko ein Wäscheklupperl auf der Nase. Textlich haben die Tragödien im Weltraum nie ganz abgeneigten Placebo mit Songs wie Space Monkey oder dem Titelsong nach wie vor mehr mit der Tragik des schönen Verlierers Major Tom als mit den stets siegreichen Showdowns von Captain James T. Kirk zu tun. Nichts Neues unter den Monden des Jupiter. Aber nett wie immer.

DAVID GILMOUR
On An Island

(EMI)
Nach dem eher gemächlichen bis zart unbeholfenen Auftritt von Pink Floyd bei Live 8 versucht sich Roger Waters an größenwahnsinnigem Rockopern-Bombast. Sprich, mit Ca Ira legte er im September 2005 eine mediokre Arbeit über die Französische Revolution vor. David Gilmour hingegen, der möglicherweise am leichtesten vom persönlichen Klageton her erkennbare Gitarrist der 70er-Jahre, reduziert auf diesem Soloalbum den einstigen Pomp seiner Stammband zu verhaltenen, zurückgenommenen Balladen. Ihm gelingt damit inklusive aller alten Vorzüge oder wahlweise Defizite einer Band, wegen der einst der Punk erfunden wurde, ein teilweise recht hübsches, im Endeffekt natürlich gerade wieder bombastisches Balladenalbum. Das ist mit prominenten Gästen wie Robert Wyatt, Phil Manzanera oder Pink Floyd-Keyboarder Richard Wright gut bestückt. Weil sich die Songs aber nie so recht zwischen zurückhaltender Opulenz und offensichtlichem Schwulst entscheiden können und sich David Gilmours heisere und brüchige Gesangsstimme im Alter auch nicht gerade zwingender entwickelt hat, sollte man hier als geneigter Prog-Rock-Hörer vielleicht vor dem Kauf vorsichtshalber doch einmal hineinhören. On An Island wird jedenfalls als bestes Pink Floyd-Album seit mindestens 20 Jahren gehandelt. Das ist aber auch nicht wahnsinnig schwer zu bewerkstelligen gewesen.

HUGO RACE & TRUE SPIRIT
Taoist Priests

(Glitterhouse/Hoanzl
)
Der australische Gitarrist gründete einst gemeinsam mit Nick Cave die Bad Seeds, setzte sich aber bald darauf ab, um solo über mittlerweile auch schon wieder ein gutes Vierteljahrhundert lang jene Kunst zu perfektionieren, die abgesehen von ihren Wurzeln im US-Süden als eine zutiefst australische gilt. In speckigen, etwas zu engen dunklen Anzügen vom Flohmarkt ergeht man sich mit verhallter Blues- und Slidegitarre und dunkel mauschelnder Stimme in immer auch zwingend klingenden Selbsttherapien, die nur eines bezwecken: die Welt und ihren Zustand wortreich zu beklagen. Persönliche Dämonen aber können selbst im globalen Chaos gebannt werden. Derart geläutert wird man so einmal eine schöne Leich' abgeben. Das hat etwas! Nach eher unscheinbaren Alben hören wir hier Hugo Race endlich wieder ganz bei sich. Beim geregelten Durchdrehen. (schach/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2006)

  • Taoist Priests: "Hugo & True Spirit Race"
    foto: indigo

    Taoist Priests: "Hugo & True Spirit Race"

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