Frauenrechte bei Lidl unter der Lupe

9. März 2006, 13:51
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Gewerkschaften machen mobil: Großteils Frauen arbeiten beim Diskonter zu nicht immer tragbaren Bedingungen

Wien - Rund 30 österreichische Filialen des deutschen Diskonters Lidl haben am Frauentag Besuch von Gewerkschaftsvertretern bekommen. Im Rahmen einer europaweiten Aktion wollte die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) mit den meist weiblichen Beschäftigten bei Lidl in Dialog treten und Informationen über Arbeitsrechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten anbieten. Besonders in Diskontern arbeiten vorwiegend Frauen, die zumeist in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt sind.

"Immer wieder kommt es im Einzelhandel zu groben arbeitsrechtlichen Verstößen", erklärt der stellvertretende Geschäftsführer der GPA, Karl Proyer. Überstunden würden nicht bezahlt, Vordienstzeiten nicht angerechnet, Vor- und Nacharbeiten müssten unentgeltlich geleistet werden, Gehaltseinstufungen seien fehlerhaft.

Anonymisierte Fragebögen

"Mit dieser von europäischen Gewerkschaften initiierten Aktion bei Lidl wollten wir ganz einfach Unterstützung für die Beschäftigten anbieten, was von den Angestellten auch sehr positiv aufgenommen wurde", sagte Proyer. "Auch die Filialleiter haben uns willkommen geheißen, wir sind nirgends rausgeschmissen worden", betont der Gewerkschafter.

Die häufigsten Fragen kamen zum Thema Höhe des Einkommens, Anrechnung von Vordienstzeiten und Abgeltung von Überstunden bzw. Vor- und Nacharbeiten. "Um Probleme zu orten haben wir Fragebögen verteilt, die anonym retourniert werden können", so Proyer.

Eine Vorgangsweise, die sich bei der Schlecker-Aktion im Herbst des Vorjahres bewährt hat. Damals kamen von 2.000 ausgeteilten Fragebögen 30 bis 40 Prozent zurück. Bei einem Viertel der Befragten habe es arbeitsrechtliche Probleme gegeben. Beim Großteil handelte es sich demnach um zu geringe Einkommenseinstufungen und mangelnde Anrechnung von Vordienstzeiten.

Auswertung

Mit einem Ergebnis und einer ersten Auswertung der Lidl-Aktion rechnet Proyer in ein bis zwei Wochen. Mit der Beteiligung an der gesamteuropäischen Aktion bei Lidl wolle die GPA ein Zeichen setzen, dass sich die europäischen Gewerkschaften vernetzen und grenzüberschreitend gegen die unfairen Praktiken der Handels-Multis zur Wehr setzen. (APA)

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    Arbeitsbedingungen bei Diskontern: Unbezahlte Überstunden ebenso wie Vor- und Nacharbeiten, fehlerhafte Gehaltseinstufungen - GewerkschafterInnen informierten die betroffen Frauen über ihre Rechte.
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