"Sag Bescheid, wenn du mich liebst!"

9. März 2006, 03:29
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Element of Crime kränkelten live in Wien, die altehrwürdige Berliner Band spielte spartanisch

Wien - Ob Sven Regener Element of Crime damit einen guten Dienst erwiesen hat, ist fraglich. Immerhin bestritten er und seine altehrwürdige Berliner Lumpenboheme-Band nach Salzburg und Linz nun im Wiener Gasometer den dritten Termin ihrer Österreich-Tournee ohne den an einer eitrigen Angina erkrankten Gitarristen Jakob Ilja.

Angesichts der spartanischen Arrangements, die neben Regeners immer nach schwerer See und schwerer Zunge klingendem Sprechgesang so gut wie jeden Song seit 1985 auszeichnen, konnte das auch gar nicht gut gehen.

Herauf von Evergreens wie Michaela Sagt bis zum fantastischen aktuellen Resignations-Smash-Hit Delmenhorst und dem Album Mittelpunkt Der Welt zeichnet Regener zwar neben einem Peter Hein für die präzisen Texte verantwortlich, die die Befindlichkeit einer Generation heute 40-Jähriger dokumentieren.

Im Trio mit dem sich selbst auf der zackig geschrubbten Kindergartentantengitarre begleitenden Regener, dem gewohnten Bierzeltbass von Dave Young und einem etwas ratlosen Richard Pappik am Schlagzeug wurde aber trotz eines tapfer mitsingenden Publikums bald klar, dass es bei Element of Crime nicht nur um die Texte geht. Es geht hier eben auch um die Verdichtung all dieser wohlig lebensmüden Lyrik zum tatsächlichen Soundtrack heute etwas abgelebter Menschen mit einem Hang zu Kreativberufen.

Zwar bot Regener vor Konzertbeginn an, das Geld zurückzuerstatten, wenn man sich auf dieses Abenteuer mit ihm als alleinigem Gitarristen nicht einlassen wollte. Als keiner ging, war es aber auch zu spät. Nach gut zwei Stunden wünschte man Jakob Ilja von Herzen eine baldige Genesung - und sich selbst im kommenden Festival-Sommer Element of Crime live unter regulären Bedingungen. (schach/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.3.2006)

  • Sven Regener
    foto: standard/fischer

    Sven Regener

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