Hunderttausende Stimmen gegen Diskriminierung

8. März 2006, 20:10
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Rund um den Globus machten sich Frauen für ihre Rechte stark - PolitikerInnen unterstützen Forderungen

Paris/Bern/Multan - Am Internationalen Frauentag haben hunderttausende Frauen weltweit für Gleichberechtigung und Schutz vor Gewalt demonstriert. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac forderte die Frauen am Mittwoch auf, nach ihrem Willen frei zu leben. Sie machten sich damit nicht schuldig und begingen auch keinen Verrat an ihren Familien oder ihrer Kultur, sagte Chirac beim Besuch einer Frauenorganisation in Paris. Er betonte, keine Tradition und keine Kultur stehe über dem französischen Gesetz.

Effektive Gleichberechtigung

Der italienische Staatschef Carlo Azeglio Ciampi verlangte weitere Initiativen für eine effektive Gleichberechtigung der Geschlechter. "Die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist noch weit davon entfernt, konkret umgesetzt zu sein. Wir müssen die Realität genau beobachten", sagte Ciampi. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel rief dazu auf, weiter an der Gleichstellung von Frauen und Männern und der Durchsetzung der Menschenrechte für Frauen zu arbeiten. Frauen müssten zudem den gleichen Zugang zum Erwerbsleben und die gleichen beruflichen Aufstiegschancen erhalten wie Männer, sagte Merkel in einer Video-Grußbotschaft an TeilnehmerInnen einer Konferenzreihe der Vereinten Nationen in Tokio.

Schweizer Stimmen

In der Schweiz stellten die Gewerkschaften die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit in den Mittelpunkt ihrer Protestaktionen. Frauen würden nach wie vor für gleiche Arbeit in allen Branchen bis zu 25 Prozent weniger verdienen als Männer, erklärte der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB). Der Tag der Frau sei immer noch wichtig, weil er helfe, das Bewusstsein zu schärfen, sagte Außenministerin Micheline Calmy-Rey in einem Interview der Tageszeitung "Der Bund". Die Frauen seien in Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft immer noch in der Minderheit. Weltweit seien die Mehrheit der Armen Frauen und auch die Mehrheit der Opfer von Konflikten seien Frauen.

Ein Leben für Frauenrechte

In Pakistan gingen zum Weltfrauentag in mehreren Städten tausende Demonstrantinnen auf die Straße. Bei einer Demonstration in der Stadt Multan forderten rund 5.000 Frauen mehr Freiheiten. Unter den Teilnehmerinnen war auch Mukhtar Mai, die vor vier Jahren auf Geheiß eines Dorfrates von mehreren Männern vergewaltigt wurde, um für eine angebliche Affäre ihres Bruders mit einer Frau aus einer höheren Schicht zu sühnen. Der Fall hatte weltweit Empörung hervorgerufen. "Ich widme mein Leben den Frauenrechten", sagte Mai. "Wo immer eine Frau unterdrückt wird, möchte ich hingehen und für ihre Rechte kämpfen."

Vor dem Parlament in Islamabad und in Karachi verlangten die Demonstrantinnen eine Aufhebung von pakistanischen Gesetzen auf der Grundlage der Scharia, die von Frauenrechtlerinnen als diskriminierend abgelehnt werden. Unter anderem muss danach eine Frau, die vergewaltigt wurde, vier Zeugen für das Verbrechen aufbieten. Dies schließt eine Strafverfolgung nahezu aus, da Vergewaltigungen in den seltensten Fällen in der Öffentlichkeit stattfinden.

Indonesierinnen gegen Sittengesetz

In der indonesischen Provinz Aceh protestierten mehr als 1.000 Menschen gegen eine Benachteiligung von Frauen bei der Strafverfolgung. Bei der Umsetzung der Scharia seien die Behörden bei Männer oft nachsichtiger, während Frauen scharf verfolgt würden, kritisierten MenschenrechtlerInnen. Außerdem müssten die Kleidervorschriften gelockert werden. "Frauen in engen Kleidern sind keine Teufel und auch nicht korrupt", sagte ein Demonstrant.

In der Hauptstadt Jakarta demonstrierten rund 150 Frauen gegen ein geplantes Sittengesetz (mehr dazu hier). Die Pläne, Küssen in der Öffentlichkeit sowie das Zeigen nackter Schultern und Beine mit Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren zu ahnden, seien diskriminierend, erklärten die Organisatorinnen der Kundgebung. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde bereits 1999 von mehreren muslimischen Parteien eingebracht und lag lange Zeit auf Eis, wird derzeit aber von einem Parlamentsausschuss beraten.

Demonstrationen in Asien

In Bangladesch forderten tausende DemonstrantInnen ein Ende der Säureanschläge, denen jedes Jahr hunderte Frauen und Kinder zum Opfer fallen. Sie gehen meist auf Familienstreitigkeiten zurück. In Indien gingen Prostituierte auf die Straße, um ihrer Forderung nach einer Absicherung Nachdruck zu verleihen. Kundgebungen und Ausstellungen gab es auch im Irak, in Nepal und Afghanistan.

Auf den Philippinen forderten hunderte DemonstrantInnen auf einer Kundgebung zum Weltfrauentag den Rücktritt von Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo. Im Finanzviertel von Manila versammelten sich rund 12.000 DemonstrantInnen, sie trugen Plakate mit der Aufschrift: "Weg mit Gloria". (APA/AP)

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    Islamabad: Pakistanische Frauen forderten die Aufhebung von Gesetzen auf der Grundlage der Scharia.
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