Bittere Momente, süße Revanche

8. März 2006, 18:59
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Tim Wiese und Jose Mourinho hießen am Dienstagabend die großen Verlierer der Champions League. Auch im Umgang mit der Niederlage trennten den Bremen-Torhüter Welten vom Startrainer des FC Chelsea

Barcelona/Turin - Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung, also bedankten sich die italienischen Medien artig bei Tim Wiese, dem Goalie von Bremen. Er hat Dienstagabend in Turin Juventus ins Viertelfinale der Champions League geholfen, indem er beim Stand von 1:1 einen schon sicher arretierten Ball fallen ließ, weil er quasi für die Galerie eine schöne Rolle zeigen wollte. Die brasilianische Juve-Antiquität Emerson, von Kollegen durch das Rufen seines Spitznamens (Puma! Puma!) auf die geschenkte Möglichkeit in der 88. Minute aufmerksam gemacht, schob die Kugel über die Linie. "Juve feiert. Danke Wiese", titelte Tuttosport tags darauf. Von einem Fehler, der "in die Geschichte eingehen und auf seinem Gewissen bleiben wird", schrieb die römische La Repubblica.

Wieses Patzer kostet Werder rund drei Millionen Euro an entgangenen Prämien, drei Millionen, die der 24-Jährige vor der fatalen 88. Minute fast im Alleingang für die Hanseaten verdient hatte, war doch der Torhüter bis dahin bester Mann auf dem Platz gewesen. "Es gibt keine Gerechtigkeit im Fußball", sagte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs. "Das war der bitterste Moment meiner Laufbahn, und ich habe immerhin schon zwei Kreuzbandrisse hinter mir", sagte der Unglücksrabe selbst.

Mourinhos Zahlenspiele

Nicht die glücklichere, sonder schlicht die bessere Mannschaft hat sich bei Barcelona gegen Chelsea durchgesetzt. José Mourinho, Trainer der Londoner, konnte das nach dem 1:1 im Nou Camp, das den Katalanen nach dem 2:1 auswärts locker reichte, natürlich nicht so sehen. "Wir haben die meiste Zeit zu zehnt gespielt. Barcelona hat ein starkes Team, und ich wünsche ihnen viel Erfolg, aber sie haben uns im Spiel elf gegen elf nicht geschlagen", kramte der Portugiese in seinen Erinnerungen. Bei der Heimniederlage vor zwei Wochen hatte sich sein Verteidiger Asier del Horno den Ausschluss (37.) per Foul an Lionel Messi allerdings redlich verdient. Unter dem Strich bleibt, dass Chelsea die Dominanz in der englischen Premier League erneut nicht mit dem Gewinn des letztlich einzig zählenden europäischen Cup-Bewerbes unterstreichen kann.

Generosität und Sorgen

Den Katalanen konnten Mourinhos Ansichten die Freude an der gelungenen Revanche für das Achtelfinal-Aus in der Vorsaison nicht verderben. "Es macht mich immer glücklich, wenn wir so ein starkes Team mit so einem guten Trainer schlagen. Es gibt nichts Besseres, als so ein Spiel zu gewinnen", sagte Ronaldinho, der mit seinem genialen Tor in der 78. Minute die Vorentscheidung besorgt hatte. "Ich bin kein Typ, der an Rache glaubt. Ich habe nichts gegen Chelsea oder den Coach", gab sich auch Trainer Frank Rijkaard generös.

Die Sorgen des Niederländers galten in der Stunde des Triumphes mehr seinem argentinischen Juwel Messi. Der 18-jährige Stürmer, vor allem in London gegen Chelsea überragend, zog sich Dienstagabend einen Muskelfaserriss in der rechten Wade zu und fällt voraussichtlich einen Monat aus. Neben Messi fehlt Bar¸ca im Hinspiel der Runde der letzten acht Teams auch Kapitän Carles Puyol, wegen einer Gelbsperre.

"Keine Grenzen" für Villareal

Die Überraschungsmannschaft der Champions League bleibt weiter Villarreal, das mit dem 1:1-Unentschieden gegen die Glasgow Rangers nach dem 2:2 in Schottland ebenfalls den Viertelfinal-Aufstieg schaffte.

"Es gibt keine Grenzen für den Klub, bis jetzt war noch kein Verein auf dem Spielfeld besser als wir", zeigte sich Manuel Pellegrini, Coach der Spanier, für die nächste Aufgabe bereit. Villarreal schaffte das Kunststück, beim ersten Antreten in der europäischen Elite-Liga gleich das Viertelfinale zu erreichen, und ist in der Saison 2005/06 in acht Spielen ungeschlagen.

Rangers-Trainer Alex McLeish, der am Ende der Saison zurücktritt, war trotz des Ausscheidens "stolz auf seine Spieler". Glasgow schaffte auch im achten Anlauf auswärts keinen Sieg gegen spanische Vereine. (ag, red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 9.3. 2006)

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